Kultur : Auch Klassik ist Pop

Die Philharmoniker im SPECIAL: „Trip to Asia“

Frederik Hanssen

Bei „Rhythm Is It“ waren sie nur Statisten: In Thomas Grubes sensationell erfolgreicher Dokumentation der Education-Arbeit der Berliner Philharmoniker blieb das Orchester selber im Hintergrund, als beste Begleitband der Welt für die tanzenden Jugendlichen bei Strawinskys „Sacre du printemps“. In „Trip to Asia“ nun rückt der Regisseur die 126 Musiker in den Mittelpunkt. Mit seinem Team hat er im November 2005 die große Asien-Tournee der Philharmoniker begleitet, von Peking über Seoul, Schanghai, Hongkong, Taipeh bis Tokio, und 300 Stunden Rohmaterial mitgebracht. Am Schneidetisch ist dann etwas anderes daraus geworden als geplant. Die „Suche nach dem Einklang“, die der Untertitel ankündigt, bezieht sich nicht auf die Begegnung der Kulturen, auf old europe und die neuen Boom-Nationen im fernen Osten. Die Reise selber bildet nurmehr den farbenprächtigen Hintergrund für ein überraschend intimes Porträt eines einmaligen Künstlerkollektivs.

So geschickt die atmosphärischen Impressionen aus den modernen Megacitys auch geschnitten sind, sie bleiben Dekoration. Was an dem Film wirklich bewegt, sind die Statements von Simon Rattle und seinen Musikern. So dicht ist an die Berliner Philharmoniker wohl noch keiner von außen herangekommen – in den extremen, aber nie aufdringlichen Nahaufnahmen der Aufführungen wie in den Interviews mit 25 Orchestermitgliedern, von der Piccoloflöte bis zur Tuba, vom Mittzwanziger im Probejahr bis zum weisen Routinier kurz vor der Rente.

Freimütig berichten sie alle vom Leben auf dieser „Insel der Glückseligen“ namens Berliner Philharmoniker, aber auch von den Schattenseiten des Jobs, vom Konkurrenzkampf am Anfang der Karriere, vom Druck, der auch dann noch permanent auf ihnen lastet, wenn sie es geschafft haben, von der Schwierigkeit, in der einen Sekunde als Solist zu glänzen und sich in der nächsten wieder ins Ensemble einzufügen. Da offenbaren sich suchende, zweifelnde, verletzliche Charaktere – und das lässt die Bewunderung für die künstlerischen Leistungen im Konzert nur noch mehr wachsen. Am Ende möchte der Zuschauer in den Jubel der 25 000 Taiwanesen einstimmen, die das Konzert in Taipeh auf Großbildleinwänden verfolgt haben und, wenn Rattle und die Seinen aus dem Saal nach draußen kommen, den Gästen aus dem Abendland einen kreischenden Empfang bereiten. Ihr seid Helden! Frederik Hanssen

Heute 21.30 (Filmpalast), 13.2., 18 Uhr (Cubix 8), 17. 2., 13 Uhr (Cinemaxx 3)

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