Kultur : Auch Punks haben Freizeit

Bodo Mrozek

Das Schlimmste von gestern wird schon heute zum Besten von morgen. Man nehme den Punk. Noch vor ein paar Jahren galt die Melange aus Krach, Kaputt- Kostümen und Krawall als Verbannungsgrund. Nun ist einem im dezenten Streetfighter-Kostüm auch in Bewerbungsgesprächen das Wohlwollen künftiger Arbeitgeber sicher. Diejenigen, die einst für ihre Musik den guten Ruf (und in der DDR noch viel mehr als dies) riskierten, rümpfen über die nett-adretten „Part-Time Punks“ die Nase. Den Geist der Epoche bringt nun eine Party auf den Punkt, die erstmals ein Punk-Karaoke organisiert. Man stelle sich After-Work-Sänger vor, die sich schnell die Haare zerstrubbeln und dann ekstatisch „Let’s lynch the landlord“ oder „Fuck Amargeddon this is hell“ ins Mikrofon brüllen.

Beim „Rock Spezial“ im Magnet Club (Greifswalder Str. 212) dürften heute ab 22 Uhr sogar echte Veteranen der Szene auftauchen. Die Musik kommt nicht etwa aus der Maschine, es spielt die berüchtigte Ruhrgebietkapelle Lokalmatadore . Sänger Al Fish, der sich vor einigen Jahren mit einem unvergesslichen Auftritt bei einem Berliner Elvis-Wettbewerb mit dem selbstgedichteten Lied „Viva Hohensyburg“ qualifizierte, wird persönlich zum Mikrofon greifen.

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