Kultur : Auf Bilder-Jagd

Die Milliarden-Klage des US-Anwalts Ed Fagan gegen die Bundesregierung löst Befremden aus

Ruth Ciesinger

Der Mann ist kein Unbekannter, wenn es um große Klagen geht. Ed Fagan hat NS-Zwangsarbeiter vertreten, will Südafrikas Regierung vor Gericht bringen und jetzt die Bundesrepublik Deutschland. 18 Milliarden Dollar will er im Namen der Opfervertretung Ahvram in den USA einklagen. Denn angeblich hält die Bundesregierung rund 2000 Kunstgegenstände zurück, die im Dritten Reich ihren damaligen Eigentümern von den Nationalsozialisten gestohlen wurden. Fagan fordert, dass diese Kunstwerke, unter denen er Bilder von El Greco, Manet, Renoir oder Monet vermutet, zurückgegeben werden.

Auf deutscher Seite löst die am Mittwoch dem Finanzministerium übermittelte Klage nur Verwunderung aus. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Alliierten die von Hitler selbst und anderen Nazi-Größen wie Hermann Göring angelegten Sammlungen sichergestellt. Waren diese unrechtmäßig erworben, so wurden Einzelstücke den Eigentümern zurückgegeben. 1949 gingen die verbleibenden Kunstwerke an die Treuhandverwaltung für Kultur, bis 1962 wurden nach Angaben des Ministeriums rund eine Million Artefakte zurückgegeben. Verblieben sind etwa 2300 Kunstgegenstände, deren Herkunft zum Teil nicht ermittelt werden konnte und die der Bund noch heute verwahrt.

Diese Bilder jedoch sind alles andere als geheim. Zum einen listet sie das Internetportal „www.Lostart“ des Bundes auf. Dort kann sich jeder Suchende informieren oder selbst eine Suchanzeige aufgeben. Die meisten dieser Werke hängen heute als Dauerleihgaben in deutschen Museen – wie zum Beispiel die „Lucretia“ von Lucas Cranach dem Älteren im Museum der Stadt Regensburg. Das Bild stammt aus der Sammlung Göring. Doch wem es davor gehörte, weiß bis heute niemand. Deshalb überprüft der Bund seit einigen Jahren erneut alle Kunstwerke, deren Herkunft unklar ist, um sie vielleicht doch noch den rechtmäßigen Besitzern oder deren Erben zurückgeben zu können.

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