Kultur : Auf Bilderjagd

Wachstumsbranche: das 11. Berliner Art Forum

Katrin Wittneven

Vor einigen Jahren ging in der Kunstwelt die Sonne auf. Eine neue Sammlergesellschaft formierte sich, Malerei war wieder gefragt, und junge Galeristen konnten aus dem Stand an amerikanische Sammler verkaufen. Mit einem Mal war Kunst Teil des gehobenen Lifestyles, und jeder wollte zu den Entdeckern neuer Talente zählen. Die Galeristen mussten nur auf immer mehr Kunstmessen für immer neuen Nachschub sorgen, für eine immer hungrigere Jagdgesellschaft.

Zwar ist die Kunstwelt bis heute vergleichsweise klein, wächst aber auf jeder Ebene rasant. Umso wichtiger ist es für die Messen, einen exklusiven Rahmen zu wahren. Rund 400 Galerien haben sich zur Teilnahme am 11. Art Forum beworben, 121 wurden ausgewählt. Eine Konzentration, die sich bewährt: Knapp 10 000 Besucher kamen zur Eröffnung am Freitag, sechs Prozent mehr als 2005. Man rechnet damit, den Besucherrekord von 37 000 Besuchern im vergangenen Jahr bis Torschluss der Messe am kommenden Mittwoch zu überbieten.

Das Spiel um Angebot und Nachfrage geht unterdessen munter weiter. Die Berliner Galeristin Klara Wallner setzte auf den jungen Maler Sebastian Schlichter und konnte bereits um 12 Uhr 30 einen ausverkauften Stand vermelden – also eineinhalb Stunden vor der offiziellen Eröffnung. Die Interessenten kamen aus Griechenland, Frankreich und Dubai. Und nicht nur europäischer Nachwuchs ist bei Sammlern gefragt: Leo Koenig aus New York verkaufte Jörg Immendorffs Gemälde „Probestehen“ von 1981 für 150 000 Euro, und Alexander Ochs setzte gleich am ersten Tag junge chinesische Kunst für 120 000 Euro um. Auch Eigen + Arts diesmal ausschließlich mit Skulpturen bestückter Stand hat sich ausgezahlt: Verkäufe gab es in der Preisspanne zwischen 600 und 28 000 Euro.

Die Berliner Messe hat ihr Profil als übersichtliches Experimentierfeld und Sprungbrett für Künstler und Galeristen gefunden. Die alte Wahrheit, in Berlin gebe es zwar gute Kunst zu sehen, es werde aber nichts verkauft, gilt nicht mehr. Sie hat sich glücklicherweise auch nicht umgekehrt. Obwohl man sich angesichts der Geschwindigkeit des Marktes und mancher deutlich merkantil orientierten Präsentation eines schalen Gefühls nicht erwehren kann. Denn an einer Wahrheit kann auch ein florierender Markt nichts ändern: Gute Kunst bleibt ein seltenes Gut.

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