Kultur : Auf dem Absprung

Der „Preview“ gelingt ein überzeugender Start

Katrin Wittneven

Trittbrettfahrer? Spalter? Wichtigtuer? Nein, auf eine vierte Kunstmesse in Berlin hat wirklich niemand gewartet – funktionierte doch im letzten Jahre das Trio von dem großen Art Forum, der qualitativ sehr heterogenen, aber niedrigpreisigen „Berliner Liste“ und dem fröhlich-bunten Berliner Kunstsalon mit zahlreichen Berliner Projekträumen recht gut. Doch die Galeristen und Künstler Kristian Jarmuschek, Tobias Kuttner, Rüdiger Lange und Ralf Schmitt, Mitorganisatoren der „Liste“ im vergangenen Jahr, wollten sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben und entwickelten ihr Modell einer Low-Budget-Messe auf professionellem Niveau weiter. Mit der Backfabrik wurde ein geeigneter Ort gefunden und mit „Preview. The emerging Art Fair“ ein selbstbewusster Name gewählt. Als geschickter Schachzug erwies es sich zudem, die Eröffnung bereits einen Tag früher als die Vernissage des Art Forums stattfinden zu lassen.

So geht die Rechnung auf: Angesichts der jüngsten Berliner Kunstmesse stellt sich kein Überdruss ein, sondern Entdeckerfreude. Die Organisatoren haben ein schlicht-aufgeräumtes Ambiente geschaffen und einige sehr gute Nachwuchsgalerien für ihr Projekt gewonnen. Zu den 47 Ausstellern zählen Berliner Galerien wie Laura Mars Grp., wo der Berliner Philip Wiegard seine gestauchten Möbelobjekte präsentiert (5000 Euro). Abel Neue Kunst zeigt Frederik Foerts direkt abholbereite Skulptur „Hitch Hiking Hic Up“ – ein ironischer Kommentar auf das Messegeschehen aus Bierkasten, Kinderflöte und Trafo (1700 Euro). Selbstreflexion gibt es auch bei Jette Rudolph, wo Joulia Strauss eine Art Künstlerbedarfsladen eingerichtet hat. Zu den internationalen Teilnehmern zählen die Artrepco Gallery aus Zürich, die mit den comic-albtraumhaften Gemälden von Léopold Rabus überzeugt (8000 Euro), sowie Staubkohler aus Zürich und Moniquemeloche aus Chicago, wo ein sinnbildliches Dollarzeichen von Todd Pavlisko hängt (2000 Euro). Ohne Frage: Der Markt boomt – und die Lust der Sammler entzündet sich besonders an jüngerer, noch verhältnismäßig günstiger Kunst. So verkaufte der ehemalige Liga-Galerist Christian Ehrentraut Fotoarbeiten der Künstlergruppe Artists Anonymous (um 4000 Euro). Bei Kuttner Siebert fand ein Hinterglasbild von Stefan Sehle seinen Liebhaber sowie ein Gemälde von Ina Bierstedt, die auch den Projektraum Capri betreibt, der gleich ein Stockwerk höher ausstellt.

Solche Netzwerke und neue Vermittlungsformen sind charakteristisch für die „Preview“ und so stellen zahlreiche Produzentengalerien aus. „Amerika“ (Berlin) zeigt Werke von Studierenden und Absolventen aus Leipzig, darunter die über zwei Meter breiten ausgebrannten Teppichbilder von Peggy Buth, die bei Preisen von 3000 Euro sofort verkauft waren. Die Messe versteht sich als Plattform – und Sprungbrett. Schon in diesem Jahr stellen einige der Galeristen gleichzeitig auf dem Art Forum aus. Es ist abzusehen, dass es im nächsten Jahr noch ein paar mehr sein werden.

Preview Berlin, Saarbrücker Straße 36–38, bis 2. Oktober, tägl. 14–21 Uhr, Eintritt 5 Euro, Katalog 10 Euro, www.previewberlin.de.

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