Kultur : Auf den Dächern

GENERATION Kplus Familiengeschichten, Trickfilme und ein iranisches Drama

Susanna Nieder
Loek Peters spielt den „Stärksten Mann von Holland“ in Mark de Cloes Vater-Sohn-Film. Foto: Berlinale
Loek Peters spielt den „Stärksten Mann von Holland“ in Mark de Cloes Vater-Sohn-Film. Foto: Berlinale

Die Reihe Generation Kplus trägt seit einigen Jahren diesen sperrigen Namen, weil „Kinderfilmfest“ nicht mehr zum Anspruch passte. Zwar werden auch Kinderfilme gezeigt, aber vor allem sind es Filme über Kinder – und das ist etwas ganz anderes. Der Eröffnungsfilm „Jørgen + Anne = für immer“ zum Beispiel ist für Kinder gemacht (hier mit kurzen Exkursionen ins Horrorgenre), spannend erzählt und führt zu einem guten Ende. Der schönste Beitrag der Reihe heißt „Der stärkste Mann von Holland“ und handelt von Luuk, der herausfinden will, wer sein Vater ist. Auch für Erwachsene ein Genuss ist der Zeichentrickfilm „Die Katze von Paris“, eine klassische Gaunergeschichte über den Dächern von Paris – elegant, witzig und stilsicher.

Filme über Kinder stellen Kinder in den Mittelpunkt einer oft äußerst problematischen Geschichte. In „Der Kindheitserfinder“ findet Aharon in seinem Elternhaus und in der israelischen Gesellschaft der frühen Sechziger keinen Raum zum Wachsen und nimmt sich schließlich das Leben. In „Ich bin nicht unsichtbar“ fürchtet die neunjährige Cayetana, Scheidungskind im Peru der frühen Achtziger, die Geburt ihres Halbbruders, weil sie glaubt, dass nur für ein Kind Platz im Leben ihrer überforderten Mutter sei. In „Morgen wird alles besser“ schlagen sich drei kleine Straßenjungs von Russland nach Polen durch. Für Erwachsene ist es verblüffend, was Regisseurin Dorota Kedzierzawska ihren drei Hauptdarstellern entlockt – Kinder werden sich bei der epischen Erzählweise eher langweilen.

„Wind und Nebel“ ist ein herausragender iranischer Antikriegsfilm. Der sechsjährige Sahand hat den Tod seiner Mutter in einem irakischen Angriff miterlebt und schwankt seither stumm zwischen Sterbenwollen und Weiterleben. Wer den philippinischen Dokumentarfilm „Sampaguita“ mit Kindern ansehen will, muss ihnen erklären, warum ein Straßenkind sich „wegen der Nieren“ vor einer Entführung fürchtet, warum Eltern ihre Kinder im Stich lassen oder so prügeln, dass die Kinder ins Waisenhaus wollen. Nach solchen Filmen findet man auch als Erwachsener keinen Schlaf mehr. Klar, man soll ein Kinderpublikum nicht unterschätzen – aber hier muss man schon sehr überzeugt davon sein, dass Acht- oder Zehnjährige die Realität bereits in ihrer ganzen Grausamkeit kennen sollten. Susanna Nieder

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