Kultur : Auf der Schubkarre

VOLKER STRAEBEL

Die elementare Faszination, die von seinem Instrumentarium ausgeht, weiß Edgar Guggeis geschickt in Szene zu setzen.Der Perkussionist, der seit zwei Jahren eine Professur an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" innehat, begann sein Solo-Programm im Kammersaal des Konzerthauses mit einer Tonbandeinspielung traditioneller afrikanischer Musik und beschrieb so den Kontext, dem die folgende, mit Jürgen Buchner erarbeitete Gemeinschaftskomposition "Big Boom" entstammt.Auftaktig punktierte Pattern der tiefen Schlitztrommel bilden hier ein meditatives Geflecht mit ihrem Kontrapunkt vom Band.

Den ästhetischen Gegenpol etablierte Guggeis in Dieter Schnebels auf wenige konzentrierte Gesten reduzierten "Stücken für Schlagzeug I und II" und dem gewaltigen "Rebonds" von Iannis Xenakis.Die stupende Virtuosität seiner Darbietung schlägt in den Bann und läßt die Debatten über stochastische und algorithmische Kompositionsweisen des Griechen vergessen.Mit klanglicher Einheitlichkeit erleichtert Guggeis dabei die Konzentration auf die sich langsam verdichtende Rhythmik und schafft einen trotz der Zerklüftetheit des Werkes kohärenten Gesamteindruck.

Daß dieser sich nicht für das gesamte Konzert einstellen will, liegt an Stücken wie Keiko Abes "Memories of the seashore" oder Guggeis eigenem "Contrast", die sich in Dreiklangsbrechungen, Tonleiterausschnitten und einfachen Kadenzen auf dem Marimbaphon ergehen.Hier driftet Guggeis in den Bereich gehobener Unterhaltungsmusik, die auch transkribierte Bachchoräle nicht scheut.Eigentlich bedauerlich, daß ein so engagierter Musiker, der mit einer Improvisation für präparierte Schubkarre und Militärspind auch in den Bereich der Performance vordringt, in der Auswahl seines Repertoires nicht kritischer vorgeht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar