Kultur : Auf der Vogelwiese

Berlins Auktionshaus Lehr rüstet zur 19. Versteigerung

Michaela Nolte

Das Vertrauen der Einlieferer scheint gegenüber den vergangenen Jahren wieder gewachsen; geradezu einen Ansturm verbuchte Irene Lehr im Vorfeld der Herbstauktion und erweiterte das Angebot um rund 20 Prozent auf 646 Losnummern.

Die obere Preisskala führen mit jeweils 18000 Euro Eduard Bargheers 1960/61 entstandenes, großformatiges Gemälde „Südliche Stadt“ sowie eine abstrakte Komposition ohne Titel von Emil Schumacher an. Dessen Mischtechnik auf Karton aus dem Jahre 1958 lässt die Spannung ganz aus der Materialität erwachsen. Ruprecht Geiger zeigt sich mit einem ovalen Holzobjekt im Jahre 1970 vollkommen in seinem Element: der Farbe, in der für den 1908 geborenen Münchener „das malerische Drama spielt“. Auf 15000 Euro geschätzt, wünscht man der Farbmeditation einen ähnlich schönen neuen Platz wie in den Räumen des Auktionshauses, wo sich das Bild im Sonnenlicht bewegt.

Mit dem gleichen Schätzwert kommt eine 1921 entstandene Bronze „Statuette (Aufsteigende)“ von Georg Kolbe zum Aufruf. Die ansonsten vornehmlich mit kleinerer Druckgrafik bestückte Klassische Moderne offeriert unter den Zeichnungen Ernst-Ludwig Kirchners reizvoll reduzierte Kreidestudie des Rummelplatzes „Vogelwiese in Dresden“ für 9000 Euro sowie ein konstruktives Aquarell von Hannah Höch aus dem Jahre 1921, das mit 5500 Euro bewertet wird.

Der Katalogtitel ist zur 19. Auktion Albert Eberts dunkel flirrendem „Im Krug zum Grünen Kranze“ gewidmet. Eigentlich hatte der 1906 geborene Hallenser das Format eines sozialistischen Künstlers par excellence. Bis 1939 arbeite er als Maurer, und die Kunsthochschule Burg Giebichenstein verließ der Autodidakt 1946 nach nur zwei Semestern. 1954 kehrte er zurück – als Heizer. Doch der „Werktätige als Künstler“ blieb dem System im Falle Ebert suspekt. In der naiven Erhöhung des Alltags („Hochzeit. Brautpaar beim Photographen“, 4000 Euro) – bisweilen gepaart mit reduzierender Flächigkeit („Billardspieler II“, 4000 Euro) – gerieten seine Genreszenen zu poetischen Welten, die dem Realismus ein liebevolles, aber kurioses Antlitz verliehen. Eberts Titelmotiv ist so gut wie verkauft, spannend bleibt bei einem Schätzpreis von 6000 Euro der Zuschlag. Denn nicht zuletzt dank der Internetpräsenz liefen die Gebote bereits vor der Vorbesichtigung auf Hochtouren.

Auktionshaus Lehr, Sybelstr. 68. Vorbesichtigung bis 21. Okt., 12-19 Uhr. Versteigerung im Berliner Excelsior Hotel, Hardenbergstr. 14, Sonnabend, 23. Okt., ab 13 Uhr.

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