Kultur : "Auf die Hälfte des Lebens zu"

LEANDER HAUSSMANN

Die Kindheit endet mit sechzehn Jahren, dann beginnt die Jugend.Sie geht ca.(wenn man Glück hat) bis Dreißig, dann beginnt das Mittelalter, oder poetischer, die Hälfte des Lebens.Ab Mitte Vierzig ist man im reiferen Alter und geht auf die Fünfzig zu, was man noch als akzeptabel durchgehen lassen kann, aber dann - ich muß es leider sagen - beginnt das Alter.Noch nicht das Greisenalter (dieses Frank Castorf zum Trost), aber doch das Alter.Ab 65 darf man sich dann alt nennen, was man sich ja auch nach all der Mühsal redlichst verdient hat.

Da also der Kollege Ostermeier unter Dreißig ist, macht er junges Theater, da er eben noch jung ist.Ich mache nicht mehr junges Theater, weil ich mich auf die Hälfte des Lebens zu bewege, ich mache also mittleres Theater.Frank Castorf macht reifes Theater, genauso wie Peymann und Bondy (grad noch so), Stein macht altes Theater.Es gibt auch totes Theater, zum Beispiel der Kollegen, die zur Zeit tot sind, wie Kortner, Lietzau oder Strehler.

Jung ist das Feuilleton geblieben und jene, die uns zum Theatertreffen nicht - oder einladen, sie haben kein Alter, sie sind alters- und geschlechtslos und unsterblich.Das tröstet mich.

Leander Haußmann, 1959 geboren, ist Intendant am Bochumer Schauspielhaus.

Die Frage stellten die Berliner Festspiele mit Blick auf die Festwochen, die am 1.September beginnen.Der Tagesspiegel druckt einen Teil der Antworten.

Nächste Folge: Dietrich Fischer-Dieskau

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