Kultur : Auf einen Drink nach Moskau

1964 eröffnete auf der Ostberliner Karl-Marx-Allee ein spektakuläres Restaurant. Heute tanzt im Keller die Szene – und der Besitzer kämpft gegen den Verfall

Nadja Klinger

Sein Baby ist ein Betonklotz mit riesengroßen Fenstern, 1962 bis 1964 erbaut. „Super spektakulär!“, nannte Wolfgang Höcherl es gleich bei der ersten Begegnung. Hätte das Haus etwas erwidern können, wäre es wohl ein Seufzen gewesen. Aber Häuser seufzen nicht. Sie warten ab, was passiert. Höcherl richtete sich in der ersten Etage ein Büro ein. Er überlegte, was er mit dem Haus anstellen konnte. Er verbrauchte eine Idee nach der anderen. Derweil schauten die Leute durch die großen Fenster hinein und suchten. Sie suchen bis heute. Und finden nichts mehr von dem, was in dem Haus früher einmal war. „Sie rümpfen die Nase, und dann ist mir, als würden sie mein Baby beleidigen“, klagt Wolfgang Höcherl. Sein Baby ist etwa genauso alt wie er. Es hat seine Geschichte in der Hauptstadt der DDR. Erst als diese Geschichte zu Ende war, hat er es zum ersten Mal gesehen. Das war 1991. Er kam von Düsseldorf nach Ostberlin. Auf eine Idee wäre er beim besten Willen nicht gekommen: Dass die Geschichte des Hauses nach ihrem Ende fortdauern würde. Was immer sich Wolfgang Höcherl Neues einfallen lässt, er geistert in dieser alten Geschichte herum.

Auf den 2500 Quadratmetern, über die er sich sieben Tage die Woche bewegt, befanden sich einst zwei Restaurants, eine Tages-Bar, eine Nachtbar, eine Teestube und mehrere Salons. Durch die riesigen Fenster schien Sonne ins Haus. Nachts waren von draußen die unzähligen Lämpchen der Kronleuchter zu sehen. Schattengestalten glitten übers Tanzparkett. Es sah spektakulär aus. Als ankerte ein fremdes Schiff in der Karl-Marx-Allee.

Mehr Sowjetunion gab es nicht

Das Schiff hieß „Moskau“. Es hatte einen kleinen Sputnik auf dem Dach. Seine Außenwand war mit einem Mosaikbild verziert: Kolchosbäuerinnen trugen goldene Ähren, Arbeiter ihr Werkzeug, junge Denker hielten Bücher, Zwiebeltürmchen ragten auf und es flog die Friedenstaube. Im Innern befanden sich Wandteppiche. Man bot Tee aus Samowaren an, Wodka, Krimsekt, Nationalitätengerichte. Mehr Sowjetunion gab es nicht. Das „Moskau“ war nicht ehrlich gemeint. Es war das Flaggschiff der DDR-Gastronomie. Es war ein ausgeklügelter Plan.

Speisen und Getränke hatten gehobene Preise. Dafür waren die Küchen und Lager mit allem versorgt, was gewöhnlich niemand kaufen konnte. Morgens um zehn öffnete das Restaurant im Erdgeschoss. Ab mittags konnte man in der Tages-Bar zwischen 30 verschiedenen Cocktails wählen. Von drei Uhr nachmittags bis nach Mitternacht wurde im Obergeschoss getanzt. Die letzten Gäste verließen die Nachtbar im Keller morgens um fünf. Blieb das „Moskau“ geschlossen, dann, weil die jüdische Gemeinde drinnen Chanukah feierte. Oder weil ein Staatsgast bewirtet wurde. Oder das Haus gehörte den Delegierten eines SED-Parteitages. Das Flaggschiff wurde vorgezeigt. Es musste so viel Eindruck machen, dass niemand mehr auf die trostlose Gaststättenflotte achtete, die das Land sonst noch aufzubieten hatte. Es musste sein, wie die DDR nicht war: voller Möglichkeiten. Natürlich durfte niemand in Rubel zahlen. Westmark hingegen wurden gern genommen.

In der Regel gibt Wolfgang Höcherl sich auf den 2500 Quadratmetern gelassen. Er schlendert mit den Besuchern durchs Haus, plaudert. Füllt die großen, leeren Räume mit Informationen. In seinem Gesicht hängt ein Lächeln, an seinem Finger baumelt das Schlüsselbund. Er spielt seine Rolle, jedoch nicht perfekt. Denn er hat so einen mürrischen Blick. Dieser Blick eilt voraus, hockt sich in den Weg und lauert den Fragen auf. Wo sind denn die schönen Sitzmöbel hin, die früher am Eingang standen? Warum sieht’s denn hier so heruntergekommen aus? Als Antwort spuckt Höcherl den Fragestellern kurze Sätze vor die Füße. Dann verzieht er wieder den Mund, bekommt aber das Lächeln nicht mehr hin. Das Schlüsselbund an seinem Finger baumelt auch nicht mehr. Er fummelt nervös daran herum.

Erst in seinem Büro lockert er wieder auf. Es ist sein Terrain. Das Büro ist nicht früher, sondern jetzt. Er schenkt Kaffee ein und zündet sich eine Marlboro an. Am großen Wandkalender kleben bunte Schnipsel. Jeder Schnipsel bedeutet, dass eine Veranstaltung im Haus ist. Jeder Schnipsel bringt Geld. Schnipsellose Tage kann sich der Geschäftsführer kaum leisten. Also arbeitet er und arbeitet. Organisiert sich Leute ran, die sich im Haus einmieten. Packt zu, wenn sie vorfahren und ausladen. Nachts merkt er, dass er sich nicht mehr auf den Beinen halten kann. Dann greift er in die Kiste, die neben dem Schreibtisch steht. Red Bull verleiht Flügel. Aber da ist die alte Geschichte. Höcherl ängstigt sich vorm Abstürzen.

Bis Mittwoch jeder Woche gingen die Tischbestellungen der amerikanischen, britischen und französischen Oberkommandos in Berlin ein. Am Wochenende kamen die Alliierten über die Grenze. Das Geld in ihren Uniformtaschen hatten sie in Westberlin 1:7 eingetauscht. Ein dreigängiges Menü im „Moskau“ kostete 15 Ostmark. Soviel Wodka wie sie hätten bezahlen können, vermochten die Soldaten nicht zu trinken. Es hieß „na sdarowje!“, wenn man anstieß. Aber in fast 30 Jahren war in dem stets rappelvollen Haus kaum mal ein Sowjetbruder leibhaftig anzutreffen. Auch schaukelte das Partyschiff ohne die bettelarmen sowjetischen Soldaten durch die Nächte. Wenn der Morgen graute, hatten die Soldaten dreier Siegermächte immer noch Geld übrig. Also schleppten sie den Krimsekt der vierten Siegermacht kistenweise von Ost nach West.

Das Volk der DDR wurde im „Moskau“ vor allem von Leuten repräsentiert, die man aus dem Fernsehen kannte: Schlagersänger, Schauspieler, Staatsbeamte, höhere Parteifunktionäre. Hinzu kamen Ostberliner, die es sich leisten konnten. Dann waren da noch die, die den ganzen Abend mit einem Getränk auskamen. Die sich daran berauschten, neben Botschaftsangestellten zu sitzen, ganz gleich, ob es ein Diplomat oder nur sein Kraftfahrer war. Das Volk der DDR gehörte auch zu dem ausgeklügelten Plan: seine Beharrlichkeit, mit der es immer wieder Tische bestellte, seine Geduld, mit der es Schlange stand und sein Vermögen, sich durchzuboxen, einfach um dabei zu sein.

Marion, Rosi und Gerd spielen im „Moskau“ längst keine Rolle mehr. Jedoch ist das Haus, in dem sie in den 70er und 80er Jahren arbeiteten, an ihnen hängen geblieben. Zwar tragen sie keine Kellnerkleidung mehr, aber sie fallen auf. Gerds Frisur sitzt makellos. Er lächelt makellos und spricht makellose Sätze. Er erscheint nicht, sondern er tritt auf. Rosi trägt Schwarz zum knallroten Mund. Auf ihrem Hinterkopf sitzt ein Bakenmützchen, und hinter ihren Ohren stehen zwei geflochtene Zöpfe hervor. Sie ist über 50, aber sie kichert, als wäre sie das Mädchen, dem die Zöpfe gehören. Marion verbringt viel Zeit vor dem Spiegel. Sie zeichnet den Schwung ihrer Lippen nach, legt einen Schatten um die Augen, stimmt ihre Garderobe ab und den Schmuck, bis sie meint, dass sie unter die Leute kann.

Wie alle ihre rund 150 Kollegen verpflichteten sich Marion, Rosi und Volkmar im „Sozialistischen Wettbewerb“ dazu, „mit Höflichkeit und Einfallsreichtum zum Wohle der Gäste die Grundlagen der täglichen Arbeit zu setzen.“ Sie haben fast überall im „Moskau“ mal gearbeitet. Sie haben nachmittags um drei im Parterre die Sperrleine gelöst, hinter der die Gäste zum kostenlosen „Tanztee“ anstanden. Sie haben erlebt, wie die Treppenkonstruktion bebte. Wie die Bürger sich in die Hacken traten, die Ellenbogen in die Seiten stießen und mit ihren Handtaschen ausholten. Sie haben sich an die Wand gedrückt, um nicht umgeworfen zu werden, und in sicherer Entfernung die Eroberung der Tische geschehen lassen. Warf sich ein schneller Gast auf einen Platz direkt am Fenster oder dicht bei der Kapelle, dann haben sie nicht eingegriffen. Denn bald schon kam ein anderer, baute sich vor dem Schnellen auf, hob den Spazierstock und sagte: „Weg da, ich sitz hier schon seit 15 Jahren.“

Zweimal im Jahr mochten sie ihre Arbeit nicht: an den beiden Tagen, da sie von morgens an darauf gewartet haben, dass ein schweres Gift die Schaben hinwegraffte. Lagen die Tiere dann tot herum, sind sie mit Saugern durchs Haus gezogen. Marion hat die Unterseiten der Tische mit Spachteln abgekratzt. Kaugummis. „Das waren die Amis“, sagt sie.

Stasi-Horst und Stasi-Walter

An ihren anderen Arbeitstagen im „Moskau“ haben sie sich die Füße wund gelaufen. Marion warf Eiswürfel in eine Schüssel und kühlte im Toilettenvorraum die Blasen. Rosi war manchmal hundemüde. Dann konnte sie den Witzen nicht mehr folgen, die lauthals in der Bar erzählt wurden, auch wenn es politische Witze und deshalb unbedingt zu merken waren. Oder es fiel ihr schwer, wie gewohnt die Gespräche in die Hand zu nehmen und über den Tresen zu tragen, damit der einsame Herr am anderen Ende zur illustren Gesellschaft dazugehörte. Es waren Gespräche, wie sie sonst nur hinter vorgehaltener Hand oder gar auf der anderen Seite der Mauer zu hören waren. Wohl deshalb spielt die Müdigkeit in Rosis Erinnerungen keine große Rolle. „Die Gäste haben uns gefragt und zugehört, wir wurden nicht wie Kellnerinnen behandelt“, sagt Rosi. „Wir waren Talkmaster“, fügt Marion hinzu.

Das, was um sie herum geschah, war ungewöhnlich. Zwar gab es an Bord Regeln, jedoch nicht die, die außerhalb des Flaggschiffes galten. Die DDR war lediglich das Wasser unterm Bug. Im „Moskau“ beherrschte das Geld das Geschehen. Es hatten die was zu sagen, die was zu erzählen hatten. Die Karl-Marx-Allee, die man durch die großen Fenster sah, war eine belanglose Kulisse. In Anbetracht der Alliierten sah Berlin genau nach dem aus, was zumindest die Hauptstadt der DDR immer zu verbergen versuchte: nach einer Nachkriegsstadt. Gleichzeitig kannte das Amüsieren im „Moskau“ keine Grenzen. Demnach war Berlin eine geteilte Stadt, die auch ganz gut zusammen konnte. Franzosen knöpften die Uniformhemden auf. Amerikaner zwinkerten mit den Augen. Ostberlinerinnen ließen sich an der Bar von ihren Westberliner Geliebten das Geld für die Miete schenken. Sie bekamen noch mehr, um sich teure Klamotten zu kaufen. Am Ende blieben den Ost-West-Liebespaaren immer noch ein paar Hunderter zum Amüsieren. „Stasi-Horst“ und „Stasi-Walter“ wurden gegrüßt, wenn sie sich „mal wieder in der Bar umschauen“ kamen. Diplomatenzungen saßen locker. Ebenso die Hände der Genossen, wenn die Kapelle den Rhythmus verlangsamte. Alles ging seinen sozialistischen Gang, nur anders.

Zu vielen Geldscheinen, die Rosi, Gerd und Marion abkassierten, gehörte ein Gesicht. Zu den Gesichtern gehörten Vornamen. Im „Moskau“ waren die Gäste das Inventar. Rosi erinnert sich an das Geld, das sie zuweilen in den Händen hielt und an Geschichten. Man überschüttete sie mit Trinkgeld wie mit Wissen von der weiten Welt, mit Informationen, die sonst kaum jemand im Land bekam. So wie im „Moskau“ konnte kaum ein Mensch die DDR begreifen.

Gerd erinnert sich an Zeiten, Preise, Eingespieltes und an die Regeln. „Nie wieder kann etwas Derartiges so laufen“, sagt er. Und hütet seine Erinnerungen, weil sie für immer einzigartig bleiben. Marion hat Rechnungen, Briefe und Notizzettel aufgehoben. Sie sind vergilbt. Fotos sind verblasst. Das Brigadetagebuch fällt fast auseinander. Sie waren im Theater, in „Clärchens Ballhaus“, in der Küchengeräteausstellung. Sie waren bei „Rock für den Frieden“, in Dresden und im Tierpark. Marion hat Fahrscheine und Tickets eingeklebt, kleine Berichte geschrieben. In jedem Bericht steckt ein Zauber: In ihrem Brigadeleben haben die drei sich amüsiert.

Marion hat auch Zeitungsartikel über das Haus gesammelt. Sie würde sie schnell finden, will aber nicht. Sie regt sich schnell auf, wenn es ums „Moskau“ geht. Der normale DDR-Bürger wurde nicht reingelassen, in den Salons fanden Geheimverhandlungen zwischen der Sowjetunion und den USA statt - so hat es in der Zeitung gestanden. Zwei Drittel der Angestellten waren bei der Stasi - das stand da auch. „Es wird Blödsinn erzählt“, sagt Marion. Vielleicht hat sie recht. Aber die Geschichte des „Moskau“ fiel von Anfang an aus dem Rahmen. Und selbst das war eingeplant.

Bevor Wolfgang Höcherl sich 1991 sein Büro als Geschäftsführer einrichtete, befestigte er den Namen seines Arbeitgebers an der Eingangstür. „BEKA-Komplex Thesing & Zschoge GmbH“ stand auf dem Schild. Das klang nicht nach einem Restaurant. Es las sich, als hätte da schon wieder jemand mit dem Haus einen Plan. Höcherl begann die Geschäfte zu führen, obgleich es mit dem „Moskau“ schon dem Ende zuging. Zwar gab es noch hervorragendes Essen. Die Cocktailkarte war nach wie vor lang. Doch die Preise jetzt in Westmark. Das „Moskau“ lohnte sich nicht mehr. Die Treuhand, der Eigentümer des Hauses, reparierte kaum Schäden. Höcherl als Mieter sah zu, wie mit jedem lecken Rohr, jedem durchgeschmorten Kabel ein Lebensnerv des Hauses abstarb. 1994 musste er den Restaurantbetrieb einstellen.

Das Haus kühlte aus. Es rostete. Der Regen lief durchs Dach. Im Keller feierte der Techno-Club WMF wilde Partys. 1500 Leute jede Nacht, bis 1997. Dann war der Verfall auch für die Techno-Szene nicht mehr auszuhalten. Der Putz blätterte. Es brachen die Fensterscheiben. Höcherl, dessen Mietvertrag bis 2010 ging, grübelte und grübelte. Er bot die 15,6 Millionen Mark, die die Treuhand als Verkaufssumme nannte. Er wollte ein Hotel anbauen, um das Restaurant rentabel zu machen. Das verstieß gegen den Denkmalschutz. Also entwickelte er das nächste Konzept. Und das nächste.

Derweil hoffte die Treuhand auf andere Käufer als die „BEKA-Komplex Thesing & Zschoge GmbH“. Volker Zschoge, einer der beiden Gesellschafter, war der letzte Chef des „Moskau“ in der DDR. Nachdem er gehen musste, behielt er einen Fuß in der Tür. Das wird der Treuhand nicht geheuer gewesen sein. Sie hoffte so sehr auf andere Käufer, dass sie den Preis auf fünf Millionen Mark senkte. Wolfgang Höcherl bot für die BEKA wieder mit, er wollte zum Einkaufszentrum umbauen. Auch das wurde abgelehnt. Erst im Frühjahr 2002 hatte er Erfolg. Zwar durfte die GmbH das Haus noch immer nicht kaufen, jedoch fünf Jahre lang für Messen, Tagungen, Ausstellungen, Workshops und Familienfeiern vermieten. Es war eine merkwürdige Vereinbarung. Die Treuhand investierte nun doch Geld in die Sanierung. Die BEKA blieb im Haus, dafür wurde ihr Mietvertrag um drei Jahre gekürzt. Fortan hatte Höcherl monatlich knapp 25 000 Euro für Miete, Heizung und Strom zu berappen. Er stand vor der Aussicht, kräftig Miese zu machen. Er hoffte, dass viele Veranstalter das „Moskau“, in dem es kaum noch verwendbares Mobiliar gab, ebenso spektakulär fanden wie er. Dass sie die Geschichte des Hauses kannten. Die alte Geschichte des Hauses sollte ihn über Wasser halten.

Damen auf Tigerfellen

Im Frühjahr begann die Treuhand zu sanieren. Höcherl nahm erste Buchungen für den Sommer an. Er holte das WMF zurück. Die Sanierung dauerte und dauerte. Höcherl musste einem Veranstalter nach dem anderen wieder absagen. Im September konnte er endlich eröffnen. Er brauchte Presse. Aber ausgerechnet jetzt stand eine Erotikmesse im Kalender. Spärlich bekleidete Damen lagen auf Tigerfellen im Haus herum. Männer machten auf potent. Man fummelte und stöhnte, und es wurden erotische Utensilien verkauft. Der Geschäftsführer nahm die Journalisten beiseite. Er erklärte sich. Er betonte, dass das „Moskau“ nun endlich wieder lebte. Dass es nicht weiter verfiel. Er erwähnte die Baumesse, die bald stattfinden würde und die Künstler, die bald ausstellen dürften. Er wurde nicht müde, vom Heute zu reden. Aber alle fragten nach dem Gestern. Wird es nie mehr so sein wie früher?

Niemand lobt Wolfgang Höcherl. „Aber selbst wenn ich das ‚Moskau’ 1:1 wieder herrichten würde, es würde nie mehr so sein wie es war“, sagt er. Ohnmächtig geistert er in einer Geschichte herum, aus der er eigentlich einen Nutzen ziehen wollte. Und hat eigentlich zum Ärgern überhaupt keine Zeit. Also versucht er sich auf die Rolle als Geschäftsführer zu konzentrieren. Sieben Tage die Woche. Gibt Interviews. Lässt einen Fotografen ins leere Haus. Doch was muss er sehen? Der Fotograf fotografiert den Verfall. Was auch sonst? Es gibt im Haus nur das bisschen, das übrig ist. Mürrisch hält sich Höcherl die Hand vors Gesicht und geht aus dem Bild. „Wir wollen nach vorn schauen, das andere ist Geschichte“, sagt er. „Nur Geschichte“, fügt er hinzu.

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