Kultur : Auf in die Pracht!

AUSSER KONKURRENZ Chen Kaiges Schlachtengemälde „Wuji“

Silvia Hallensleben

IBM ist nach China verkauft. Und auch im chinesischen Kino ist die Computertechnik mit Wucht angekommen. Special Effects waren schon immer eine Spezialität der Kampfkunst-Filme aus Hongkong. Allerdings arbeitete man bisher eher fordistisch in routinierter Arbeitsteilung und mit Technikspezialisten, die die rasanten Flugnummern mit echter Artistik und raffinierten Drahtkonstruktionen in Szene setzten. Und auch die jüngste Welle der Martial-Arts-Adaptionen von Autorenfilmern gefiel sich eher in gediegen-traditionalistischer Kunst.

Chen Kaige hatte 1999 in „Der Kaiser und sein Attentäter“ noch Komparserie in Kompaniestärke für die Schlachtfeldszenen antreten lassen. Nun, sechs Jahre später, sind die Armeen in „Wuji“ wieder da, einige Komparsen auch. Doch aus der häufig extremen Vogelperspektive sehen Krieger und Verfolger nicht nach Fleisch und Blut aus. Man denkt an „King Kong“: Statt Dinosaurierherden lässt Kaiges Digital-Abteilung Stiere durch Steppenschluchten galoppieren. Das Ergebnis ist zwar technisch keinesfalls perfekt, hat dafür aber den bonbonfarbenen Charme von auf dem Dachboden vergessenen Comic- Heften. Auch die Landschaften wurden köstlichst nachkoloriert. Cecilia Cheungs rauschendes Schwanenkostüm wie auch die knallroten Prachttrachten der kaiserlichen Armee hat der japanische Mangakünstler Masago Kimiya entworfen.

Mit historischer Wahrhaftigkeit muss sich dieses Fantasy-Märchen um eine in kriegerischen Zeiten schuldig gewordene und verzauberte Prinzessin nicht aufhalten. Mit Moral schon: Die kommt trotz der vielen Krieger sehr viel ziviler und unideologischer daher als etwa in den beiden letzten Filmen von Zhang Yimou. Auch sonst versprüht Kaiges Film eine angenehme Lässigkeit, die dem populären Genre mit der angestrengten Anpassung an westliche Kunstkino-Vorgaben abhanden gekommen schien. „Wuji“ ist reinster Genre-Mainstream, allerdings für ein asiatisches Publikum. So sind die Hauptrollen des mit 30 Millionen Dollar Produktionskosten bisher teuersten chinesischen Films mit Cecilia Cheung (Hongkong), Jang Dong-Gun (Korea) und Hiroyuki Sanada (Japan) paritätisch besetzt, für Mandarin-Chinesen eine wohl unerträgliche Mischung.

Trotzdem ist der Film in China Mitte Dezember als erfolgreichster Film aller Zeiten angelaufen und wurde auch – erfolglos – ins Rennen um den Auslands-Oscar eingereicht. So wie jetzt wird man ihn aber bei uns vermutlich nicht wieder sehen können. Für den Verleih außerhalb Asiens sind 18 Minuten herausgekürzt worden. Ein Director’s Cut: Geschnitten hat Chen Kaige selbst.

Heute 15 und 21 Uhr (Urania), 15. 2. 23Uhr (International)

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