AUF Schlag : Gehen Hosen?

Es sind 35 Grad - es ist viel zu heiß. Moritz Rinke lädt zur Islamkonferenz auf einem Parkplatz in Saudi-Arabien.

Moritz Rinke

Vor ein paar Tagen saß ich in Saudi-Arabien in einem Auto mit drei unverhüllten Frauen und einer kaputten Klimaanlage. Wir parkten auf dem Gelände des Folklorefestes eine Stunde von Riad entfernt. Der junge Mann aus der Botschaft war ausgestiegen und verhandelte mit Vertretern des saudischen Innenministeriums, ob die Frauen auch aussteigen und auf das Fest dürften. Im Auto waren es ungefähr 35 Grad und ich blieb aus Höflichkeit sitzen. Es war zu heiß, um das Warten mit einer anregenden Konversation zu überbrücken, obwohl es bestimmt interessant gewesen wäre, mit den Frauen auf der Rückbank zu sprechen. Die eine war die Frau des deutschen Botschafters; die andere die des Chefs im Auswärtigen Amt für kulturelle Beziehungen mit dem Nahen und Mittleren Osten; die dritte war die Frau des jungen Mannes aus der Botschaft.

Während die Frauen versuchten, ruhig zu atmen, blätterte ich in meiner deutschen Zeitung. Ich nahm mir den Artikel über die Islamkonferenz vor. Wie kann unsere Verfassung beitragen zur Entwicklung eines modernen deutschen Islam, heißt es im SchäublePapier, ich kam aber nur bis zur Forderung der konservativen muslimischen Verbände nach getrenntem Schwimmunterricht für Jungen und Mädchen. Ich hätte die Frauen gern gefragt, was sie um Gottes Willen von getrenntem Schwimmunterricht halten, aber jetzt vom Schwimmen zu sprechen, wäre auch unhöflich gewesen, immerhin waren es inzwischen bestimmt 40 Grad im Auto. Türen öffnen ging auch nicht. Um das Auto herum standen ungefähr 500 Muslime. Einige hatten die drei Frauenköpfe schon entdeckt, mir schien auch, die 500 Muslime würden sich allmählich dem Auto nähern. Ich überlegte, ob die Frauen sich nicht runterbücken könnten, am besten zuerst die Frau des Botschafters irgendwie platt auf die Fußmatte legen.

Das Handy klingelte. Der junge Mann von der Botschaft übermittelte, dass sich etwas bewegen könnte bei den Saudis, wenn die Frauen sich anständig verhüllen, dann ginge es. „Gehen Hosen?“, rief die Frau vom Mann für kulturelle Beziehungen. „Nein, Schalgewand!“ „Was ist denn ein Schalgewand?“ fragte ich. „Im Kofferraum“, sagte die Frau des jungen Mannes, „wir haben im Kofferraum Ganzkörpergewänder für den Notfall!“

Ich beobachtete die 500 Muslime, öffnete schnell die Tür und lief zum Kofferraum. Im Christentum haben wir Verbandskästen, Ersatzreifen oder Warndreiecke, hier haben sie Ganzkörpergewänder im Kofferraum.

Mittlerweile standen wir eine Stunde auf dem Parkplatz. Die Frauen hatten sich die schwarzen Gewänder übergestreift und das Haar verhüllt, ich fächerte ihnen mit der Zeitung und dem Artikel über die deutsche Islamkonferenz Luft zu, sofern man das Luft nennen konnte. „Ich mache jetzt die Tür auf!“, sagte eine der Frauen. „Nein, wir müssen erst auf einen saudischen Führer warten, der uns über den Parkplatz geleitet“, sagte die Frau, die mit ihrem Mann telefoniert hatte. Ich war auch dafür. Ich geleite doch nicht drei notverhüllte Westfrauen über einen saudischen Parkplatz mit 500 Muslimen!

„Türen bleiben zu bis der saudische Führer kommt!“, ordnete ich an und fächerte entschuldigend mit der deutschen Islamkonferenz weiter.

Ich fächerte lang und während ich fächerte, dachte ich: Wenn ich endlich diesen verdammten Parkplatz hinter mir habe, dann setzte ich mich in den Kühlschrank der deutschen Botschaft in Riad und fordere ganz offiziell eine saudische Christentum-Konferenz. Es geht mir eigentlich gar nicht um das Christentum, sondern einfach nur um Respekt für deutsche Frauen in einem glühenden Auto bei 45 Grad auf einem Folklorefest.

Und wenn die islamischen Verbände wirklich den getrennten deutschen Schwimmunterricht durchsetzen sollten, dann würde ich dafür sorgen, dass im nächsten Jahr Heidi Klum ihre Germany’s Next Topmodels auf dem saudischen Parkplatz castet.

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