AUF Schlag : Nach Erkrath und zurück

Rainer Moritz versucht bei der Reiselust seiner Kollegen mitzuhalten

Rainer Moritz

Es hat mich seit Längerem gestört. Während ich Tag für Tag am Schreibtisch hocke und allenfalls vor die Türe gehe, um Einkäufe zu erledigen, reist mein Kolumnistenkollege Moritz Rinke permanent durch die Welt. Seine Montagsbetrachtungen erzählen ständig von exotischen Begegnungen und Ländern, die ich nur aus dem „Auslandsjournal“ oder Jack- London-Romanen kenne. Damit muss Schluss sein, dachte ich mir und beschloss, kosmopolitischen Mut zu zeigen und Globalisierungsgeschwindigkeit und Schnelllebigkeit zu trotzen. Folglich nutzte ich die vergangenen zwei Wochen zu einer Rinke in die Knie zwingenden Tour de force.

Zuerst ging es nach Erkrath, wo ich in der famosen Restauration „Hopmanns Olive“ über die sechziger Jahre sprach, was den Patron dazu animierte, Klassiker wie Spargelröllchen und Zigeunerschnitzel neu zu interpretieren. Ehe ich mich nach Stuttgart aufmachte, um den „Welttag des Buches“ zu begehen, sah ich mir den Düsseldorfer Medienhafen an, von wo aus ich mich, mit Zwischenstopp in Wien, umgehend nach Dubrovnik begab und im Hotel Berkeley logierte. Dort besichtigte ich in wenigen Minuten die berühmte Festung der kroatischen Stadt, kehrte in einem von Touristen besuchten Lokal ein, um den berühmten kroatischen Fisch zu essen, und betrachtete eine Schwedin am Nachbartisch mit typischer schwedischer Kurzhaarfrisur. Mehr Zeit blieb nicht, denn am nächsten Morgen bestieg ich ein Kreuzfahrtschiff – eingedenk des tapferen Schriftstellers Matthias Politycki, der gleich ein halbes Jahr auf einem solchen Vergnügungsdampfer verbracht hatte. Ich nutzte die knappe Zeit zwischen den vielen Mahlzeiten dazu, Rolf Lapperts neuen Roman mit dem passenden Titel „Nach Hause schwimmen“ zu lesen, und beobachtete Mitreisende, die nicht nur den Reedereikatalog studierten, sondern sich auch Büchern von Jeffrey Deaver und Andrea Maria Schenkel widmeten.

Mehr Zeit blieb nicht, denn schon nahte Venedig, wo ich mich in Seitengassen stürzte, ortstypische Bigoli in Salsa verzehrte und neben einer Französin mit typisch französischer Langhaarfrisur saß. Eine neue Krawatte aus einer kleinen Manufaktur (Marco-Polo-Insidertipp!) erstand ich im Sauseschritt, denn schon hieß es, Abschied zu nehmen. Über München flog ich zurück nach Hamburg, wo ich mich als rasender Reporter indes nur kurz aufhielt. Wartete nicht das badische Schwetzingen auf mich, mit kundigem Buchhändler und erntefrischen Spargelgerichten? Ja, doch viel Zeit blieb auch da nicht, denn am Sonnabend wartete zu Hause eine Gesellschaft, die mit mir auf meinen fünfzigsten Geburtstag anstoßen wollte. Ein Alter, in dem - das las ich irgendwo - der Mensch, ja sogar der Mann, allmählich zur Ruhe komme und sich auf sein reiches Innenleben besinne. Damit fange ich, versprochen, nächste Woche an. Zuvor aber, Sie verstehen, wollte ich es Moritz Rinke einmal richtig zeigen.

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