AUF Schlag : Wer zahlt, schafft an

Rainer Moritz über Kompetenzversteigerungen

Rainer Moritz

Morgen Abend um exakt 20 Uhr endet die spektakuläre Ebay-Auktion, die es einem Fußballverrückten ermöglichen wird, einen Tag lang Cheftrainer beim KFC Uerdingen zu spielen. Uerdingen, das sollten die am Ballsport weniger Interessierten wissen, ist ein Krefelder Verein, dessen gute Zeiten lange zurückliegen und der sich von einem Finanzchaos zum nächsten Tag hangelt. Über 100 Gebote waren für diesen Traumjob bereits bis Freitag abgegeben; ein paar tausend Euro also bringt diese Offerte dem gebeutelten Club mit Sicherheit ein.

Dass Geld die Welt regiert, wusste man schon vor der Uerdinger Trainerstuhlverschacherung. Doch in Zeiten, da kaum noch jemand daran glaubt, dass Kompetenz eine Voraussetzung für Macht- oder Prestigeerlangung ist, erleben wir, wie sich alles, wenn es mit dem Ansehen oder dem Erfolg hapert, übers Portemonnaie richten lässt. Der Schriftsteller Alban Nikolai Herbst zum Beispiel bot vor einiger Zeit allen Menschen die Gelegenheit, sich in seinem nächsten Roman als literarische Figur wiederzufinden – gegen Höchstgebot, versteht sich. Ein Verfahren, das vieles für sich hat. Denn wer will ewig darauf waren, in Werken Maxim Billers oder Florian Havemanns aufzutauchen?

Zu Ende gedacht, ließen sich auf diese Weise essentielle Probleme unserer Zeit lösen. Warum etwa ist „Der Spiegel“ nicht längst dazu übergegangen, seine vakanten Posten in der Chefredaktion und im Kulturressort im Internet auszuschreiben? An potenten Bewerbungen wäre kein Mangel. Alle klammen Opern- und Theaterhäuser, nicht nur in Berlin, könnten ihre Kassen dadurch aufbessern, dass sie kleinere Rollen in Moritz-Rinke- oder Elfriede-Jelinek-Aufführungen für gutes Geld verkaufen. Für mich selbst ginge so vielleicht der von Jugend an gehegte Wunsch in Erfüllung, als Emilia Galotti auf Theaterbrettern zu brillieren. Auch für Lothar Matthäus wäre auf diese Weise gesorgt. Nachdem er bei den Münchner Bayern seinem Intimfeind Jürgen Klinsmann unterlag und womöglich auch in Uerdingen (siehe oben) nicht zum Zuge kommt, sollte der selbsternannte Startrainer daran denken, ein Internetangebot beim finnischen FC Kooteepee Kotka oder beim zyprischen Verein Dighenis Morphou abzugeben. Am nötigen Kleingeld mangelt es Lothar ja nicht.

Auch abgehalfterte Rocksänger stellen so kein Versorgungsproblem mehr dar, wohingegen Frankreichs viriler Staatspräsident Sarkozy – so eine Scheidung ist ja eine teure Angelenheit – interessierten, finanzstarken Journalisten anbieten könnte, ihn und Carla Bruni beim Spaziergang durch die Tuilerien hautnah zu begleiten. Wer übrigens darauf erpicht ist, für mich gelegentlich Ghostwriterarbeiten zu übernehmen, darf sich gleichfalls Hoffnungen machen. Beachten Sie bitte in den kommenden Wochen die entsprechenden Auktionsräume im Internet.

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