Aufbau Verlag : Schweigen, rätseln, kämpfen

XY ungelöst: Wie es im Aufbau Verlag weitergeht. Für die Autoren ist die Lage schwer abzuschätzen. Die Geschäftsführung buhlt um sie und neue Buchprojekte.

Gerrit Bartels

Bernd F. Lunkewitz schweigt. In seinem Frankfurter Büro ist er nicht zu erreichen, am Handy nicht, und auch Anfragen per Mail beantwortet er nicht. Stattdessen hat er jetzt auf die Homepage des Berliner Consulting- Unternehmens Ketano („mediennah, marktorientiert, strategisch“) eine Zusammenfassung „der gescheiterten Privatisierung des Aufbau-Verlags“ gestellt. Auf 29 Seiten finden sich hier Schreiben der Treuhandanstalt, Aktenvermerke, Gesprächsprotokolle, Informationen über die „Plusauflagen“ usw.

Um das alles zu verstehen, muss man über gute Jura-Kenntnisse verfügen, die Spezifika der Treuhandanstalt kennen oder ein echter Nerd sein. Aber Aufklärung darüber, warum Lunkewitz als Finanzier und Verleger der Aufbau Verlagsgruppe den Bettel hingeworfen hat, findet sich nicht. So bleibt es bei Spekulationen, stehen weiter die Vorwürfe im Raum, hier habe es ein reicher Mann allen Beteuerungen zum Trotz nicht wirklich ernst gemeint mit dem Traditionsverlag Aufbau.

Was verwundern dürfte, da Lunkewitz den Verlag siebzehn Jahre mit Hingabe und auch mit Liebe zur Literatur geleitet hat. Nun aber schlägt er einen Teil seines Lebenswerks selber in Stücke. Oder er opfert es zumindest seinem Kampf gegen Treuhand, BvS und Bundesregierung. Das hat etwas Obsessives, Egomanisches. Und dann gibt es die Gerüchte, dass der 61-Jährige als junger Vater das Leben noch mal aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachte. Aber auch: dass er vielleicht finanziell gar nicht mehr so aus dem Vollen schöpfen könne.

Unklarheit besteht außerdem über den konkreten Schaden, den Lunkewitz erlitten hat als Besitzer einer „inhaltslosen Hülle“, eines Verlags, der ihm von der Treuhand nicht hätte verkauft werden dürfen. Lunkewitz beruft sich darauf, mit Rechten und Lizenzen eines Verlags gehandelt zu haben, der ihm nie wirklich gehörte. Nur gibt es bislang keine an ihn oder den Aufbau Verlag gerichtete Klage oder Schadensersatzforderung von betroffenen Rechtehändlern oder Lizenznehmern. Und die BvS als Nachfolgerin der Treuhandanstalt betont, an Lunkewitz gewandt: „Unter keiner denkbaren rechtlichen Konstellation sieht sich die BvS in einer Verpflichtung gegenüber der betroffenen Gesellschaft.“

Ebenfalls Stillschweigen vereinbart haben der vorläufige Aufbau-Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus und Lunkewitz über die Gespräche, die letztes Wochenende in „freundschaftlicher Atmosphäre“ stattfanden, offenbar ohne Ergebnisse. Voigt-Salus sprach von „weiteren zwei Wochen“, in denen man sich mit Lunkewitz einigen will, vor allem über Autorenrechte, Lizenzen und den Markennamen Aufbau.

Für die Aufbau-Autoren wiederum ist die Lage schwer abzuschätzen. Die Aufbau-Geschäftsführung buhlt um sie und neue Buchprojekte. Zuletzt gab sie bekannt, die Autorenhonorare seien gesichert – für die Autoren, die sich entscheiden, auch nach dem 1. September, dem offiziellen Termin der Eröffnung des Insolvenzverfahrens, beim Verlag zu bleiben. Doch ob Aufbau dann unter dem Dach eines anderen Verlags oder eines wie auch immer beschaffenen neuen „strategischen Partners“ landet oder abgewickelt wird, ist ungewiss.

Die Geschäftsführung ist zuversichtlich. Tom Erben, einer der beiden Geschäftsführer, verweist erneut darauf, wie gesund der Verlag letztlich sei, wie erfolgreich man sich in den letzten drei Jahren verschlankt, wie viel mehr Umsatz man mit weniger Titeln gemacht hätte. Angebote anderer Verlage habe es schon gegeben, so Erben, diese würden nun alle vom Insolvenzverwalter und dem Gläubigerrat geprüft. Sicher ist so nur eines: Es bleibt spannend. Der Aufbau-Fall ist noch lange nicht gelöst. Gerrit Bartels

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