Kultur : Aufbau West

LUTZ VON PUFENDORF

Wer die Entwicklung in der Deutschen Oper Berlin in den letzten Monaten aufmerksam verfolgte, dem kann nicht entgangen sein, daß sich nach den Turbulenzen des vergangenen Sommers die Wogen zu glätten beginnen, daß Kapitän und Besatzung des Hauses gemeinsam damit befaßt sind, den "Dampfer" (finanziell) wieder flott zu machen: Das für 1998 prognostizierte Defizit wird aller Voraussicht nach um eine Million Mark unterschritten, der vom Parlament beschlossene 1999er Wirtschaftsplan wird eingehalten, Personalabbau und Strukturveränderungen konnten schon 1998 sozialverträglich realisiert werden.Nach Jahren des Einnahmerückgangs ist wieder eine steigende Tendenz zu erkennen.Erfolgsdaten wie diese sind das Ergebnis redlicher Bemühungen um Reform und Strukturwandel, um Verschlankung der Apparate, um wirtschaftliche wie künstlerische Entwicklung im internationalen Wettbewerb.Wäre in diesem Prozeß der ursprünglich geplante Widerruf der Medienpauschale endgültig geworden, hätte aufgrund der geschilderten Konstellationen die vorgesehene Programmplanung nicht eingehalten werden können.Einnahmeverluste in Millionenhöhe wären zu befürchten gewesen, die ersten Sanierungsansätze im Keim erstickt.

Statt Kündigung der Pauschale hat der Kultursenat am Montag nun eine freiwillige Vereinbarung zwischen Generalintendanz, Orchester und Chor erreicht, derzufolge die Musiker als freiwilligen, persönlichen Sanierungsbeitrag faktisch Gehaltsverzicht in Höhe der Hälfte der Medienpauschale leisten und der restliche Sparbeitrag über Stellenabbau realisiert wird; unter dem Strich für 1999 dasselbe Einspar-Ergebnis, langfristig auf Grund der personellen Bündelung jedoch der weitaus wirtschaftlichere Ansatz! Dennoch liegt auch dieser Weg im Schußfeld des SPD-Haushälters Klaus Wowereit, der der Senatsverwaltung für Kultur vorwirft, durch die Rücknahme des Widerrufs der Medienpauschale das Sanierungskonzept der Deutschen Oper zu konterkarieren.Deshalb hat die SPD für die heutige Hauptausschußsitzung des Abgeordnetenhauses eine Diskussion über die "Zurücknahme der Streichung der Medienpauschale an der Deutschen Oper" beantragt.Im politischen Kontext mag das weder verwunderlich noch besorgniserregend sein, für das Haus an der Bismarckstraße ist solches Verhalten jedoch mit unvertretbaren Risiken verbunden.Abgesehen davon mutet es schon merkwürdig an, wenn ein nicht unprominenter SPD-Politiker Einkommensverluste in Höhe von rund 11 Prozent durchzusetzen entschlossen ist.

Um die Deutsche Oper zu stärken, bedarf es - fern jeglicher Wahlkampftaktik - eines parteiübergreifenden, einheitlichen Vorgehens."Nur Beharrung führt zum Ziele", heißt es bei Schiller - wer aber in seinen Beharrungsbemühungen sachfremden Irritationen ausgesetzt ist und behindert wird, dem darf am Ende nicht die unzureichende Erfüllung von Vorgaben vorgeworfen werden, wenn das Ziel nicht erreicht werden konnte.Aber vielleicht gibt es ja wirklich Kräfte in dieser Stadt, die nicht daran interessiert sind, daß die Deutsche Oper Erfolge hat.

Lutz von Pufendorf ist Staatssekretär der Berliner Kulturverwaltung.

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