Kultur : Aufdecken!

Journalisten-Duo aus Südafrika: „Drum“

Kerstin Decker

Im Jahr 1950 verließ der kaum 20-jährige Berliner Jürgen Schadeberg seine Heimatstadt. Er wusste, wie man einen Fotoapparat hält und wie man einen Film entwickelt. Er nahm nur einen Koffer und seine Leica mit – nach Südafrika. Schadeberg wurde Fotoreporter bei „Drum“ – einer Illustrierten für Schwarze. Wie kein anderer hat er das Südafrika der fünfziger Jahre porträtiert.

Der südafrikanische Regisseur Zola Maseko, geboren 1967, hörte vor 15 Jahren zum ersten Mal von einem Ort namens Sophiatown, dem ungewöhnlichsten Township Südafrikas. Seitdem wollte er einen Film darüber machen. Er stieß auf den Namen der Illustrierten, auf den Berliner Schadeberg und auf den schwarzen Star-Sportreporter Henry Nxumalo. Nxumalo und Schadeberg wurden bald das auffälligste Reporter-Duo von „Drum“. Und sie betrieben das, was kein Land der Welt und schon gar kein Apartheid-System verzeiht: investigativen Journalismus. Das Wort klingt nach Unerschrockenheit in höherem Auftrag und einem ebensolchen Ethos. Beides fehlte Nxumalo und Schadeberg durchaus. Sie waren keine Fremdbeglücker, sondern Selbstbeglücker in den durchtanzten, durchtrunkenen Nächten der illegalen Clubs von Sophiatown. Vielleicht sind nur Helden wider Willen erträgliche Helden.

Nichts in diesem Film ist erfunden. Und doch hat „Drum“ keinerlei Ähnlichkeit mit einem Dokumentarfilm – sehr breitwandig und scheinbar glatt, besitzt er eher die Hochglanzoptik einer Illustrierten. Und doch, „Drum“ entwickelt eine wunderbare Kraft, unterläuft jeden Reserve-Blick. Taye Diggs als Henry und Gabriel Mann als Schadeberg geben ihrem Journalisten-Duo allen Leichtsinn und alle Lebenslust, aber auch die dunkle Entschlossenheit, als das Schicksal ihnen auf die Schulter tippt.

Sophiatown. Ein Weißer hatte einst das Land gekauft, um eine weiße Vorort-Idylle daraus zu machen. Leider lag ganz in der Nähe ein weniger idyllisches Klärwerk, so dass Sophiatown bald zu den wenigen Townships gehörte, in denen Weiße und Schwarze Land erwerben konnten. Überbevölkerung, Arbeitslosigkeit und Kriminalität auch hier. Doch ebenso die Shebeens, illegale Nachtclubs, in denen Weiß und Schwarz illegal gebrautes Bier tranken und den Sophiatown-Jazz hörten. Anfang und Ende von Sophiatown sind Anfang und Ende dieses Films.

Babylon Mitte, Blow Up, Cinemaxx Potsdamer Platz, Zoo Palast

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