Kultur : Aufgeben? Niemals! Avignon und Aix planen für 2004

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Adriane Mnouchkine ist abgereist, aber Thomas Ostermeier ist da: Der Berliner Schaubühnenchef, der 2004 „artiste associé“ des Festivals sein wird, radelt bei sengender Hitze durch Avignon. Vorbei an halbleeren Cafés, über entvölkerte Straßen. Nach der streikbedingten Absage der wichtigsten Sommerfestivals hab die meisten Theaterleute Avignon den Rücken gekehrt, auch beim „off“Festival der Freien Gruppen, das eigentlich weiterlaufen sollte, geben immer mehr Compagnien auf. Sogar die Straßenmusiker aus den Anden, die seit 30 Jahren vom Kulturtourismus profitieren, sind weitergezogen, wie die „Le monde“-Korrespondentin Brigitte Sallino beobachtet hat.

Auf 2,5 Millionen Euro beläuft sich das Defizit in Avignon, nachdem 74000 verkaufte Tickets rückerstattet worden sind. Dennoch laufen die Planungen für das kommende Jahr weiter, Ostermeier sitzt mit Hortense Archambault und Vincent Baudriller zusammen, die am 1.8. offiziell Festival-Chef Bernard Faivre d’Arcier nachfolgen.

Zuversichtlich blickt man auch im nahen Aix-en-Provence in die Zukunft. „Aufgeben? Niemals!“ könnte das Motto auch hier, beim prestigereichsten Musikfestival Frankreichs, lauten. Am Wochenende verschickte das Pressebüro via E-Mail bereits die Premierentermine für die kommenden zwei Jahre: So werden 2004 die beiden ausgefallenen Produktionen von Peter Mussbachs Berliner „Traviata“ und Marc Minkowskis „Entführung aus dem Serail“ nachgeholt. Hinzu kommt als Neuproduktion Händels „Hercules“ in der Regie von Luc Bondy mit William Christie und Les Arts Florissants. 2005 soll dann Patrice Chéreau Mozarts „Così fan tutte“ inszenieren, mit Daniel Harding und dem Mahler Chamber Orchestra. Luc Bondy zeigt seine sensationelle 2001er Version von Brittens „Turn of the screw“ und bringt neu Philippe Boesmans Oper „Fräulein Julie“ nach Strindberg heraus. Nachgeholt wird dann auch die in diesem Jahr verhinderte Premiere von Stephane Braunschweigs „Wozzeck“. Und ab 2006 kommt dann Wagners „Ring des Nibelungen“ nach Aix-en-Provence, als Koproduktion mit den Salzburger Osterfestspielen – und den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle. F.H.

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