Kultur : Aufgelesen

Thomas Bernhard hat mich damals darauf programmiert, mich von niemandem umarmen zu lassen - nicht einmal vom Bundespräsidenten.Er hat mich davor gewarnt, auf die Wiener Technik der Vereinnahmung hereinzufallen.Und daran habe ich mich in den 13 Jahren auch strikt gehalten.(...)

Aber auch Kurt Waldheim fand zum Beispiel meinen "Richard III." mit Gert Voss "traumhaft".Es war übrigens das erste und einzige Mal, daß ein amtierender Bundespräsident meine Nähe suchte.(...) Bundeskanzler Vranitzky hat einmal zu mir gesagt: Herr Peymann, man kann gar nichts gegen Sie sagen.Wer gegen Sie ist, gilt ja sofort als reaktionär.Dieses Spiel habe ich natürlich gerne gespielt.Immerhin ist Vranitzky noch ins Theater gegangen.Das tun ja unsere heutigen Regierenden, obwohl sie sich Kunstkanzler nennen, nicht mehr.Sie lieben weder das Theater noch die Kunst.Vranitzy war vernarrt in Gert Voss.Dabei mag er insgeheim wahrscheinlich Udo Jürgens lieber.Darin bestand sein Konflikt.Am liebsten hätte er gesehen, wenn Udo Jürgens, Michael Heltau und Gert Voss im Trio aufgetreten wären.Händchen in Händchen, Jacques Brel singend.(...)

Mag sein, daß meine Entscheidung, Wien zu verlassen, aus der Erkenntnis kam, daß eine Zusammenarbeit mit dem neuen Kanzler nicht möglich sei.Klimas Welt ist mir fremd.Allein seine Sprache, diese pseudotechnokratische, amerikanische Managersprache, mit der man eigentlich nur das Schlimme beschönigt."Job rotation" z.B.heißt auf gut deutsch doch "Rausschmiß"!

Nun ist die Etappe Burgtheater, sozusagen die "Königsetappe" im Leben des Theaterdirektors Claus Peymann, vorbei.In Berlin soll es nun einen schönen Epilog als Aufbruch geben.Das soll der Schlußpunkt meiner Arbeit als Theaterdirektor werden.(...)

Die Politiker suchen sich jetzt für die Theater die ihnen möglichst ähnlichen Vertreter, also die Manager, die auch am Theater alles ausgleichen sollen, so wie sich das auch hier am Burgtheater abzeichnet.Bachler bringt: ein bißchen Brandauer, Breth, Brieger, Bechtolf (die "B"-Riege) und ein bißchen Kriegenburg.Alles schön ausgeglichen.

Aber diese Ausgeglichenheit ist das Fade.

Das ist die Fadesse.

Kunst ist Kompromißlosigkeit.Ich habe meine Regisseure immer zur Kompromißlosigkeit animiert, damit sie schroff sind, gegensätzlich und eben auch polarisieren.Sonst gehen unsere "Institute" eines Tages zugrunde.

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