Kultur : Aufgeweckt

Zum Beispiel der Film mit Leonardo DiCaprio. Geisterte durch die Berichterstattung zu Erfurt. Da laufe er mit einer Pump-Gun durchs Bild und erschieße seine Lehrer, das sei ein schlechtes Vorbild für die Jugend, heißt es. Gemeint ist Scott Kalverts "Jim Carroll - In den Straßen von New York" ("The Basketball Diaries") aus dem Jahr 1995: die wahre Geschichte des jungen amerikanischen Schriftstellers Jim Carroll. Etwa 15 Sekunden dauert die Szene - in der deutschen Videoversion ist sie übrigens herausgeschnitten. Aber auch das Original ist unmissverständlich als Fantasie gekennzeichnet, als Traum eines drangsalierten, im Unterricht hinwegdämmernden Schülers, der vom imaginierten Schuss (vulgo: dem knallenden Lineal des Lehrers) aufgeweckt wird.

Absurd, dass ausgerechnet solche Filme nun in die Kritik geraten. DiCaprio spielt einen, der von den Erwachsenen verkannt wird, Drogen nimmt, kriminell wird - und die schiefe Bahn wieder verlässt. Er lernt, Demütigungen zu überstehen, ohne zum Brutalo zu werden. Ein cooler Rebell, der Seinesgleichen Mores lehrt. In einer coolen Sprache, die Computerkids besser verstehen als fürsorgliche pädagogische Maßnahmen. Nein, wir brauchen kein Verbot. Wir brauchen mehr von diesen Filmen.

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