Kultur : Aufregend

MARTIN WILKENING

Direkter kann man nicht einsteigen, in das Musikmachen nicht und nicht in einen Quartettabend: mit seinen bohrenden Trillerklängen und den abgerissenen Motivfetzen des ersten Themas überfällt der Beginn von Janaceks 2.Streichquartett geradezu seine Hörer und führt sofort mitten hinein in einen Wirbel von Gefühlszuständen, die von der Musik nicht nur abgebildet werden, sondern die diese immer wieder zersplitternde, sich sammelnde und wieder ausbrechende Musik selbst sind.

Das Auryn-Quartett, das es wagte, seinen Abend im Kammermusiksaal mit diesem sonst eher als Abschluß zu hörenden Werk zu eröffnen, spielte von Beginn an mit unglaublicher Präsenz und Intensität.Die permanenten Verwandlungen des Klanges, vom glühend gespannten Vibrieren, über die zerfaserte Simultanität sich ganz verschieden entwickelnder Einzelstimmen, bis hin zum erlöschenden, wie übermalten sul-ponticello-Klanggeräusch gelangen nicht zuletzt deshalb so bewegend, weil das Quartett nach wie vor eigentlich in einer Idealbesetzung spielt.Tonlich steht die zweite Geige der ersten in keiner Weise nach, und auch Bratsche und Cello ganz selbstverständlich ihr Gewicht behaupten, fügte sich die Komplexität von Janaceks hochvirtuoser Partitur zu jener aufregend gespannten Einheit, die hier so schwer zu erreichen ist.

Mit seinen hintergründigen Schubert-Interpretationen hat sich das Auryn-Quartett in den 80er-Jahren einen Namen gemacht, und Schubert stand auch diesmal auf dem Programm, allerdings das Oktett, dessen großräumig-serenadenhafte Klangentfaltung nach der Pause einen ganz neuen Anfang markierte.Mit Karl-Heinz Steffens, Stefan Schweigert, Markus Maskuniity und Ulrich Wolff als Gästen gelang eine klangschöne, detailreich ausmuzizierte Wiedergabe, die allerdings die größeren Spannungsbögen des ausgedehnten Werkes nicht in gleichem Maße spüren ließ.

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