Kultur : Aufschwung Ost: Die Fehler des Westens bremsen auch den Osten

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Die rasante Aufschwungsphase der ostdeutschen Wirtschaft war nur kurz. Allein in den frühen neunziger Jahren gelang es den neuen Bundesländer, wirtschaftliche Wachstumsraten in einer solchen Höhe darzustellen, dass man erwarten durfte, rasch das Niveau Westdeutschlands erreicht zu haben. Dann kam die Stagnation: Waren die Ossis nicht kreativ genug, fehlte es ihnen an unternehmerischem Gefühl, oder saß die planwirtschaftliche Schlamperei von vierzig Jahren DDR noch zu tief? Wie die Ursachen auch immer benannt werden - Seit Mitte der neunziger Jahre gleichen sich die Wachstumszahlen in Ost und West. Im Ergebnis holt der Osten also nicht auf. Dankenswerterweise waren es Jenaer Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes, die in ihrem Buch "Aufschwung Ost im Reformstau West" die Diskussionsbeiträge von Wissenschaftlern und Praktikern einer gleichnamigen Tagung im Jahr 1998 zusammengetragen und veröffentlicht haben und daran erinnern, dass es nicht nur rein ostdeutsche Gründe für den Bruch im wirtschaftlichen Umbauprozess gab. Akribisch genau weisen die Autoren nach, dass die alte Bundesrepublik seit spätestens Anfang der achtziger Jahre unter den Folgen eines zu stark staatlich reglementierten Wirtschaftssystems litt. Dieses wurde mit seinen Fehlentwicklungen auf den Osten übertragen. Im Ergebnis stellten sich die Fehlentwicklungen - vom Tarifsystem bis hin zum Sozialsystem - für die wirtschaftlich wenig robusten östlichen Bundesländer von Anfang an als Wachstumsbremse heraus.

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