Kultur : Augenblicke auf der Insel

So war 2001: Neues Jahrbuch der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Bernhard Schulz

Verweile doch! – Goethes Wort zum schönen Augenblicke mag den Verantwortlichen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) in den Sinn gekommen sein, als sie vor gut einem Jahr die grundsanierte Alte Nationalgalerie wiedereröffnen konnten.

Der Festtag des 1. Dezember 2001 mit seinen Ansprachen steht natürlich im Mittelpunkt des soeben erschienenen „Jahrbuchs Preußischer Kulturbesitz“ für 2001. Was sonst über die Museumsinsel zu sagen ist, liest sich weniger erhebend – im Rechenschaftsbericht des Stiftungspräsidenten. So räumt Klaus-Dieter Lehmann ein, dass die „täglich steigenden Besucherzahlen deutlich“ machten, „wie sehr es auf der Museumsinsel an einer leistungsstarken Infrastruktur noch mangelt“. Seine Mahnung, „den starken Elan und den Nachdruck bei der Bewältigung der immensen Bauaufgabe beizubehalten“, steht auf dem Hintergrund eines Possenspiels, das der Präsident diplomatisch als „Störungen in der Mittelbereitstellung durch das Land Berlin“ umschreibt. Im übrigen aber lenkt das Jahrbuch den Blick auf die Arbeit der Stiftungseinrichtungen.

Da sind die Forschungen zur Sammlung Giustiniani zu nennen, die mit der wohl herausragenden Ausstellung des Jahres vorgestellt werden konnte, oder jene zur Fassade des hethitischen Tempels Tell Halaf, die dereinst den Innenhof des Pergamonmuseums zieren könnte. Für das Selbstverständnis der SPK bedeutsam sind der Beitrag Norbert Zimmermanns über „Die Praxis der Restitution“ wie derjenige von Olaf Matthes über den Mäzen James Simon. Von diesem reicht der Bogen zum heutigen „Kuratorium Museumsinsel“, das mit der gesammelten Finanzkraft großer Konzerne leisten will, was zur wilhelminischen Kaiserzeit hochmögende Einzelne bewirkt haben.

Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, Band XXXVIII (2001). Gebr. Mann Verlag, Berlin 2002. 475 S. m. zahlr. Abb., geb. 25 €.

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