Auktionshaus Bassenge : Frühjahrsauktionen mit Kandinsky und Kollwitz

Die Frühjahrsauktionen von Bassenge bieten Gemälde alter und neuer Meister sowieso Druckgrafiken von George Grosz, Wassily Kandinsky und Käthe Kollwitz.

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Hautnah. Das Porträt der Schauspielerin Gertrud Eysoldt stammt von Lovis Corinth und stammt aus dem Jahr 1914. Foto: Bassenge
Hautnah. Das Porträt der Schauspielerin Gertrud Eysoldt stammt von Lovis Corinth und stammt aus dem Jahr 1914.Foto: Bassenge

Wie gut, dass Bilder keine Töne machen. Sonst wäre das Gemälde aus den Niederlanden mit seinem Katzenchor und zwei Oboe spielenden Äffchen akustisch wohl zum Weglaufen. Optisch dagegen ist das kleine Werk in Öl auf Holz aus dem 18. Jahrhundert überaus ansprechend, als Los Nummer 6036 in der kommenden Versteigerung von Bassenge mit einem attraktiven Schätzwert von 1500 Euro ausgepreist – und nun im Rahmen der Vorbesichtigungen ausgestellt.

Die 109. Auktion des Berliner Hauses umfasst Gemälde alter und neuer Meister wie Marcantonio Franceschini oder Denijs von Alsddot, deren sakrale Szenen jeweils bei 30 000 Euro rangieren. Die „Sonnenbeschienene Partie im Berliner Grunewald“ von Franz Skarbina (Taxe: 1800 Euro) oder Walter Moras’ „Kartoffelernte in der Mark Brandenburg“ (Taxe: 3000 Euro) führen motivisch nach Berlin und Umgebung um 1900, wo ein später Impressionismus die Landschaften der Maler in ein mildes Licht taucht.

Die Highlights weisen zurück in die Zeit von 1760

Die Highlights bei Bassenge weisen jedoch noch weiter zurück in die Zeit von 1760, als Antonio Joli den „Golf von Bajae bei Neapel“ in einem Panorama festhielt und die stille, in tiefem Blau leuchtende Szene mit Fischerbooten und antiken Ruinen versieht. Ein klassisches Sujet aus einer süddeutschen Privatsammlung, für das Bassenge mindestens 120 000 Euro erwartet. Daneben leuchten diverse Kleinode. Etwa ein Stillleben aus dem 17. Jahrhundert mit Insekten und Käfern in Öl auf einem runden Metallgrund, das als Los Nummer 6030 auf 1200 Euro geschätzt wird.

Aus der Dresdner Schule stammt ein detailliertes „Wiesenstück“ mit diversen farbigen Pflanzen aus dem Jahr 1840 (Taxe: 1200 Euro) und von Johann Hermann Carmiencke eine romantisch aufgeladene „Winterlandschaft an der Elbe mit drei Reitern“ (1830), die auf 12 000 Euro kommen soll.

Schmal wirkt der Katalog einer amerikanischen Privatsammlung, deren Veräußerung am Ende der Frühjahrsversteigerungen steht. Doch die ausgewählten Lose sind das hochkarätige Ergebnis einer langen, geduldigen Suche nach Druckgrafischem aus den Händen von Karl Schmidt-Rottluff, Wassily Kandinsky, George Grosz oder Lyonel Feininger. Manches wie die Lithografie „Arithmetic“ (1913) von Kasimir Malewitsch kostet unter tausend Euro. Ein Highlight wie das rare Schwarz-Weiß-Blatt „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“ von Käthe Kollwitz sind weit darüber mit eindrucksvollen 70 000 bis 90 000 Euro bewertet, während Kandinskys ebenfalls seltener Farbdruck „Violett“ bei 40 000 bis 50 000 Euro rangiert. Abstrakte Motive desselben Künstlers kosten als Radierung gerade mal ein Zehntel.

Eine eigene Auktion widmet sich der Fotografie

Das 20. Jahrhundert versammelt sich zu einem dichten Angebot von Gemälden (von Konrad Felixmüller, Lou Albert-Lasard oder Franz Heckendorf), Grafischem und Skulpturen etwa von Johannis Avramis, August Gaul oder Wilhelm Lehmbruck, dessen „Kleine Sinnende“ aus schimmerndem Gips auf 40 000 Euro taxiert ist. Die Abstraktion zieht mit zwei kleinen Bronze-Kälbchen von Ewald Mataré ein (je 25 000 Euro) und mit einem hängenden „Linsenobjekt“ Adolf Luthers (4500 Euro), der Zeit seines Lebens mit Licht experimentierte. Zu den teuersten Losen zählt mit 60 000 Euro der expressive „Weibliche Halbakt im Sessel“ von Lovis Corinth, für den die Schauspielerin Gertrud Eysoldt Modell saß.

Eine eigene Auktion widmet sich der Fotografie. Sie startet mit historischen Aufnahmen diverser Expeditionen in den Amazonas, nach Indien oder Vietnam, umfasst mehrere Jungenporträts von Wilhelm von Gloeden (900 bis 1200 Euro) und gipfelt in einem Fotogramm des Pioniers Johann Carl Enslen, dessen Blätterstudie von 1839 mindestens 15 000 Euro bringen soll.

Bassenge, Vorbesichtigungen bis 23. Mai. Grafik, Gemälde & Zeichnungen des 15.–19. Jahrhunderts (Erdener Str. 5a), bis 25. Mai. Moderne Kunst (Rankestr. 24). Auktionen vom 25.–27. Mai. Weitere Informationen: www.bassenge.com

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