Auktionshaus Lempertz in Berlin : Gutes aus Köln

Für die Vorbesichtigung in seiner Berliner Repräsentanz ist das Auktionshaus aus Köln mit einigen Spitzenlosen angereist. Dazu gehören, neben Wolfgang Barlachs Skulptur "Singender Mann", ein atmosphärisches Stillleben von Max Slevogt.

Heißer Atem der Moderne. 1924 malte Franz Wilhelm Seiwert, früh verstorbener „Kölner Progressiver“, den „Mensch mit Maschinen“. Foto: Lempertz
Heißer Atem der Moderne. 1924 malte Franz Wilhelm Seiwert, früh verstorbener „Kölner Progressiver“, den „Mensch mit Maschinen“.Foto: Lempertz

Das Etikett des Kunsthändlers Alfred Flechtheim hat in jüngerer Vergangenheit gelitten: Der Fälscher Wolfgang Beltracchi nutzte ein banales Imitat, um seinen Bildern ein Zertifikat von Echtheit zu geben. Wenn Flechtheims Etikett, mit dem der Galerist in den zwanziger Jahren alle Werke in seiner Berliner Galerie versah, nun am „Singenden Mann“ von Ernst Barlach klebt, horcht man erst einmal auf. Doch das Auktionshaus Lempertz, das die Bronze von 1928 als ein Highlight seiner kommenden Auktion anbietet (Taxe: 250 000 bis 300 000 €), weist in die Geschichte jenes frühen Lebzeitgusses nach.

Für die Vorbesichtigung in seiner Berliner Repräsentanz ist das Auktionshaus aus Köln mit einigen Spitzenlosen angereist. Dazu gehören, neben Barlachs Skulptur, ein atmosphärisches Stillleben von Max Slevogt (Taxe: 80 000 bis 100 000 €) von 1917, das ursprünglich aus einer Dortmunder Privatsammlung kommt, und eine seltsam entleerte Landschaft, von Otto Dix Ende der dreißiger Jahre am Bodensee gemalt (Taxe: 150 000 bis 180 000 €).

Spitzenlos aber ist der „Herr in Reitkleidung“, den George Stubbs 1768 auf die Leinwand bannte. Mitsamt einem kastanienbraunen Ross, denn der britische Künstler zählt bekanntermaßen zu den größten Pferdeporträtisten seiner Zeit. Los 1115 soll deshalb auch 400 000 bis 450 000 Euro kosten, es war ebenso in der Londoner Tate Gallery wie in der Neuen Pinakothek in München zu bewundern, die Stubbs 2012 eine Schau widmete.

Wem das Motiv zu weit in der Vergangenheit oder der Preis utopisch scheint, der sollte seine Aufmerksamkeit auf Franz Wilhelm Seiwert richten: einen früh verstorbenen „Kölner Progressiven“, der die Strömungen der Avantgarde vom russischen Suprematismus bis zum holländischen De Stiijl auf sich wirken ließ und daraus Sujets wie 1924 „Mensch mit Maschinen (Fabrikarbeiter)“ (Taxe: 100 000 bis 120 000) komponierte. Das Bild, das im November im Haupthaus versteigert wird, müsste dann zwar noch einmal ins Rheinland reisen. Eingeliefert hat es ein privater Berliner Sammler. (cm)

Kunsthaus Lempertz, Poststr. 21; bis 2.11., 11–17 Uhr. Auktionen in Köln: 15.11. (Alte Kunst), 28/29.11. (Moderne & Zeitgenössische Kunst)

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