Kultur : Aus dem Norden kommt nicht nur Holz

Norwegisches Designerlabel „Norway says“ gibt klare, selbstbewusste Statements

Rolf Brockschmidt

„Norway says“. Der Name der Designergruppe aus dem hohen Norden ist Programm. „Wir kamen frisch von der Kunsthochschule in Oslo und wollten unsere Möbelprototypen im Jahr 2000 auf der Internationalen Möbelmesse in Mailand vorstellen. Wir suchten eine passenden Namen für unser Projekt und kamen auf ,Norway says. So heißt es ja auch immer in der Zeitung, wenn aus Norwegen etwas verlautet“, erzählte Designer Andreas Engesvik kürzlich in Berlin im Rahmen der Design-Ausstellung „Norwegen jetzt!“, die noch bis zum 2. November im felleshus der Nordischen Botschaften zu sehen ist.

Das Statement aus Norwegen kam an, die Designergruppe, zu der auch Torbjorn Anderssen und Espen voll gehören, gastierte mit den Prototypen auch noch in Stockholm, Kopenhagen und London. Aus dem Ausstellungsprojekt einiger Designstudenten wurde ein Designbüro, das nun mit dazu beiträgt, norwegischem Design einen Namen zu verschaffen. Bisher lief man trotz einiger Klassiker wie etwa Peter Opsvik hinter dem skandinavischen Design her, das vor allem von Dänen, aber auch Finnen dominiert ist.

Getreu der nordischen Tradition habe man zunächst viele Prototypen in Holz gebaut, gebogene Bugholzmöbel gehören natürlich dann zum Programm. „Wir haben die Möbel zunächst alle selber produziert, wollten damit aber nicht nur Geld sparen, sondern auch das Handwerk genau kennen lernen. Diese Sicherheit war uns wichtig,“ sagt Engesvik. Dieses „Frühwerk“, wie Engesvik mit einem Augenzwinkern erzählt, sei eben noch sehr „skandinavisch“ gewesen.

„Norway says“ hat weiter interessante Prototypen produziert, so etwa ein Sideboard, dessen Türen sich mit einem Griff dank eines ausgeklügelten Scherenmechanismus alle auf einmal öffnen. Einen Hersteller haben sie dafür nicht gefunden, zu kompliziert in der Herstellung, zu teuer. Aber vielleicht möchte auch der Kunde nicht, wenn er die linke Tür öffnet, gleich noch vier andere Türen öffnen. Ein interessantes Möbel war es trotzdem.

Auch unter dem Eindruck der Krise 2001 und der allgemeinen Verunsicherung ging das Büro neue Wege, die weg vom Holz führten. So entwarfen die Norweger ein sehr bemerkenswertes Sofa für ClassiCon: Juno. Die Formensprache ist bestechend klar, und beim ersten Betrachten hält man ein wenig den Atem an, weil man der Statik des Möbels nicht traut. Das Sofa Juno besteht einmal aus einem glatten, rechteckigen Polster, auf dessen Kante wiederum ein Polster mit qudratischem Querschnitt ganz knapp aufliegt. Den Gesetzen der Schwerkraft zufolge, müsste die Rückenlehne eigentlich nach hinten wegkippen. Aber die Statik stimmt, ja, man kann sich sogar auf die breite Rückenlehne setzen. „Juno“ ist von allen Seiten zugänglich und eignet sich daher natürlich für eine Position mitten im Raum. Zu dem Sofa gehört auch ein quaderförmiges Kissen – so dass auch dieses mobile Accessoire durch seine klare Form besticht. Man kann es ganz nach Belieben einsetzen und so dem Möbel immer wieder ein neues Aussehen geben. Die Ausführung ist in Stoff oder Leder möglich. Das Sofa ruht auf einem Gestell aus verchromtem Stahl. Holz kommt bei diesem nordischen Möbel nur im gepolsterten Rahmen vor, die Füllung besteht aus Polyurethan und Polsterwatte. Neu hinzu gekommen ist der Sessel Juno, der wie ein kleines Sofa daherkommt, die Form ist die gleiche, einschließlich losem Kissen. Das i-Tüpfelchen ist der Hocker Juno, der in seiner straffen Form auch als Ablage oder mit Hilfe eines Tabletts als kleiner Tisch dienen kann.

In der Ausstellung im felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin ist „break“ zu sehen, eine Lounge-Sofa, an dem praktisch durch eine leichte Kerbe in der Sitzfläche ein Sitz ein wenig abgewinkelt und isoliert vom Rest da steht, ein Sofa, dessen Nutzungsmöglichkeiten Raum zu große Spekulationen und Beziehungsdramen öffnet, denn derjenige,der sich auf den Einzelplatz setzt, ist ein wenig von den anderen abgerückt. Eine interessante Nuance.

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