Kultur : Aus der fernsten Ferne betrachtet

Tourismus gab es schon lange, bevor das Wort überhaupt erfunden wurde.Und gereist ist man vor hundert Jahren auch nicht weniger als heute.Diesen Eindruck erweckt jedenfalls der Katalog der zweiten Fotografie-Auktion von Bassenge am 23.April.Zahlreiche Konvolute und Einzelfotos zeugen von einer Reisefreude im späten 19.Jahrhundert, die sich mit Vorliebe bis in fernste Fernen erstreckte - Dokumente einer visuellen Aneignung der Welt, der das Fremde noch fremd erschien und die daher auch noch heute großen Reiz auszuüben vermag.Da es sich hierbei oft um wenig namhafte Fotografen handelt, liegen die Preise zum Teil schon bei wenigen hundert Mark.

Angesichts dieses ausufernden Expansionsdranges unserer Vorfahren macht es in gewisser Weise sogar Sinn, daß sich das üppige Angebot auch insgesamt eher in die Fläche als in die Höhe auszudehnen scheint.Zu den herausragenden Ausnahmen zählen etwa die 72 Fotos, die Walker Evans 1933 in Havanna aufnahm, um das Werk "The Crime of Cuba" des Journalisten Carleton Beals zu illustrieren (Taxe 50 000 Mark).Die Bilder, die das dortige Leben auf einfühlsame Weise beleuchten, liegen in Abzügen vor, die das Metropolitan Museum in New York, Hort des Walker Evans-Archivs, in den 80er Jahren eigens für eine Ausstellung von den Originalnegativen anfertigte - was in diesem Fall kein Manko bedeutet, da keine Vintages bekannt sind.

Das Hauptgewicht der Auktion liegt jedoch in der Zeit um die Jahrhundertwende, als die Fotografen mit einer Vielzahl heute ausgestorbener Techniken experimentierten.Besonders anschaulich wird dies bei den angebotenen Porträts und Landschaften Nicola Perscheids, bei denen sich Pigmentdrucke ebenso finden wie Celloidinabzüge, Pannotypien, Bromöldrucke oder Bromsilberabzüge (bis 5000 Mark).Jede Technik hat ihren eigenen Charakter, und wer hierüber mehr erfahren möchte, der stößt im Hause Bassenge sicher auf offene Ohren.

Bassenge, Erdener Straße 5A, Auktion am 23.April; Vorbesichtigung am 21./ 22.April 10-18 Uhr; Katalog 30 Mark.

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