Kultur : Aus der Knabenschule

Die Leipziger Malerin Franziska Holstein in der Galerie Spesshardt und Klein

Matthias von Viereck

Was macht eigentlich die Leipziger Schule? Das fragt man sich und stößt in der Galerie Spesshardt und Klein auf Franziska Holstein. Die Malerin hat bei Arno Rink studiert und war bis 2008 Meisterschülerin von Neo Rauch. Eine Schülerin, ausgerechnet: Wird doch die ostdeutsche Malerschmiede allzu oft als reine Knabenschule gesehen.

In Berlin zeigt Holstein vor allem mittel- und großformatige Leinwandarbeiten sowie einige Siebdrucke. Wie zuvor setzt sich die 1978 in Leipzig Geborene mit der eigenen Geschichte auseinander. Im Elternhaus hat sie in Familienalben gestöbert und alte Bücher entdeckt. Doch hier müffelt nichts nach öder Vergangenheitsbewältigung. Wenn Holstein das Cover eines DDR-Heimwerkerbuches auf fast drei Meter Höhe aufbläst, pflegt sie statt Nostalgiekitsch vielmehr Selbstironie: Ist nicht die Malerei, so scheint sie zu fragen, die Fortführung des Heimwerkens mit anderen Mitteln?

„Fachkunde für Maler“ steht auf einem Siebdruck. Gut möglich, dass sich dahinter ein Lehrbuch des Sozialistischen Realismus verbirgt – eine Schule, die auch ihren Lehrern nicht ganz unbekannt ist. Richtig spannend aber wird es, wenn Holstein den Gegenstand hinter sich lässt. Das zeigt ein zweiter Werkkomplex, in dem sie einen gleichsam archäologischen Umgang mit dem eigenen Medium pflegt. Hier finden sich allenfalls erzählerische Reste und nur vereinzelt gegenständliche Partien. Stattdessen kratzt und wäscht Holstein immer wieder Farbflächen ab, so als versichere sie sich ihres eigenen Tuns.

Dieses Innehalten und Zurückblicken, die Negation des Erreichten fasziniert. Bei vielen Leipziger Kollegen, deren Oberflächen glatt daherkommen, sucht man diese Selbstzweifel vergebens. Souverän stellt Holstein auch das eigene Scheitern aus. Auf einem düsteren Tableau hat sie den Versuch unternommen, zwei ältere Arbeiten in einem neuen Bild zu verschmelzen. Was mit digitaler Bildbearbeitung ein Klacks wäre, gerät der Malerin zur Herausforderung.

Nur gut, dass es nicht an allen Ecken „raucht“. Den Hang ihres Lehrers zum Surrealen etwa teilt die Schülerin nicht – höchstens dessen handwerkliche Virtuosität. Matthias von Viereck

Galerie Spesshardt und Klein, Rudi- Dutschke-Str. 18; bis 12.7., Di-Sa 11-19 Uhr.

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