Kultur : Aus der Lamäng (Glosse)

Frederik Hanssen

Wenn schöne Menschen in untragbaren Klamotten Podeste beschreiten, ist das - nach der neuen Rechtschreibung - Steg reif. (Reif für den Laufsteg, klar?). Wenn aber Sie ganz spontan irgendwas improvisieren, machen Sie das weiterhin aus dem Stegreif. Da ist der Duden unerbittlich. Obwohl so eine unvorbereitete Aktion nichts mit Steg oder Reife zu tun hat, sondern mit Stehen und Greifen. Das etymologische Wörterbuch bestätigt den gesunden Rechtschreibverstand: Im 8. Jahrhundert, als der Steigbügel eine einfache Schlaufe war, ein "Reif", geschah alles, was man auf dem Rücken des Rappens stehend ausführte, aus dem Stehreif. Warum also dem Stegreif nicht sein "h" zugestehen? Doch ihrem eigenen Anspruch auf plausible Orthographie verschließen sich die Duden-Diktatoren. "Überholen ohne einzuholen" nannte man das im real existierenden Bürokratismus. Nun, was wissen Bürokraten von Spontaneität?! Drüber schreiben können sollte natürlich jeder von uns, ganz aus der lamäng.

0 Kommentare

Neuester Kommentar