Kultur : Aus der Modebranche

KATJA REISSNER

Die Wohnmaschine zeigt Fotoarbeiten von Suzanne Lafont, Lorna Simpson und Miwa YanagiVON KATJA REISSNERDie Galerie Wohnmaschine ist in die disparate Nachbarschaft von Zwinger und Poll umgezogen.Friedrich Loock, einer der JungJung-Pioniere der Galeristen im "mittleren Osten" will sich nun ebenfalls weiträumiger, hipper, moderner präsentieren und folgt dem Trend zur designten Galerie, wie sie im ganzen Areal anhält.Seit 1988 hat er seine Wohnmaschine betrieben, zuerst buchstäblich im eigenen Wohnzimmer und dann im beengten Galerieraum darunter.Gerade in den letzten Jahren machte er aus dieser Not eine Tugend, indem er thematische Ausstellungsreihen jeweils ein Jahr lang zeigte.Die erste widmete sich dem Bild und der Malerei, die zweite hatte den schillernden Titel "Körper & Betrug", die dritte hieß "Raum 98" und faßte die Galerie als Kommentar zum klassischen "White Cube" auf.Dies alles ist ein hübsches Vermächtnis, nicht zuletzt auch durch die Publikationen.Basisarbeit und originelle Inszenierung hielten sich die Waage.Auch Friedrich Look ist, ähnlich wie sein Kollege Judy Lybke von Eigen + Art, weltläufiger geworden.Und da gilt es natürlich, nicht nur nach Amerika, sondern zum Beispiel auch nach Japan zu schauen.Seine Neu-Eröffnung präsentiert drei Künstlerinnen, von denen zwei, die Französin Suzanne Lafont und die Amerikanerin Lorna Simpson, international bekannt sind, die Japanerin Miwa Yanagi, 1968 in Kioto geboren, dagegen eher eine Newcomerin.Großformatige, farbige Fotoarbeiten von Lafont und Yanagi sind einander gegenübergestellt.Diesen ist ein Video von Simpson zugesellt, das durch kleine, intime Schwarz-Weiß-Fotos ergänzt wird, die daraus abgeleitet sind.So weit, so gut: Die Räume sehen schick aus.Aber was sagen uns die Arbeiten? Stellen sie sich in einen Kontext, außer daß es um Fotografie geht? Der Titel "Architecture and the Modern Mask" hilft da nicht weiter.Mit Architektur haben die Fotos nur insofern zu tun, als Versatzstücke von Fassaden und Innenräumen verwendet werden.Lafont, deren documenta-Arbeit im Bahnhof Alexanderplatz zu sehen ist, ist mit zwei zusammengesetzten Tableaus vertreten.Das eine zeigt eine rhythmisch angeordnete Serie von Fotos, in die, ebenso fragmentarisch wie die Fassadenausschnitte, die Aufnahme einer jungen Frau eingeschoben ist.Sie scheint sich auf der Straße zu bewegen.Die formale Struktur dekonstruiert den Zusammenhang einer möglichen Geschichte, welche dem Betrachter am Herzen liegt, weil er der Figur Raum, Zeit und Biographie verleihen möchte.Yanagi hält mit Hochglanz-Inszenierungen dagegen, die Räume zeigen, in die puppenhafte Frauenfiguren in adretten Kostümen gesetzt sind.Sie bestätigt damit alle Vorurteile, die man gegenüber Japan haben kann: Japan als eine stark technisierte Gesellschaft, in der die 90 Prozent MiddleClass-People durch ihr korrektes Business-Outfit gleich aussehen.Den Hintergrund für solche Figuren bilden hier Ladenpassagen, wie sie typisch für Kyoto sind.Einmal sind es Schaufensterpuppen, ein andermal auf der Rolltreppe Gestrauchelte.Während Lafont uns eine Geschichte eines Individuum andeutet, inszeniert Yanagi ein kleines, groteskes Stück für geklonte Heldinnen und verharrt damit in einem brillianten Oberflächen-Design.Nicht zufällig kommt sie aus der Modebranche.Auch Lorna Simpson, bekannt geworden durch ihre Tableaus mit Bildausschnitten und Texten, die von der gesellschaftlichen Rolle der Schwarzen in den USA handeln, scheint nun die leerlaufenden Kommunikationsgesten der Yuppies für sich entdeckt zu haben, die unentwegt telefonieren, aber nie direkt miteinander sprechen.Die Ausstellung zeigt drei Arten, Geschichten zu erzählen: poetisch bei Lafont, dramatisch bei Yanagi und prosaisch bei Simpson.Friedrich Loock ist zu wünschen, daß er mit seinen Galerie-Geschichten von der Kunst auch in Zukunft nicht ins Beliebige abgleitet.Galerie Wohnmaschine, Gipsstraße 3, bis 10.Juni; Dienstag bis Freitag 14-19 Uhr, Sonnabend 11-17 Uhr.

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