Kultur : Aus für die Maus

JÖRG KÖNIGSDORF

Das Deutsche Symphonie-Orchester mit Janowski in der PhilharmonieVON JÖRG KÖNIGSDORFUm Haydn zu spielen, braucht man vor allem eines: Humor.Die B-Dur-Sinfonie Nr.98 etwa: Da spielt die Einleitung auf knappstem Raum sinfonische Gravitas aus, und durch dieses wuchtige Portal huscht das Hauptthema des Kopfsatzes flink und leise wie eine Maus.Unter Marek Janowski trägt das Deutsche Symphonie-Orchester diesen kurzen Witz wie auch alle folgenden Haydn-Originalitäten mit nüchternem Ernst vor, ohne Spaß an der Irreführung des Hörers.Die Überfall-Tutti des Finales, der abrupte Einschub gemütlich-täppischer Violinserenadensplitter in die Presto-Geschäftigkeit - all das wird erzählt, als sei es sinfonischer Normalfall.Ohne wenigstens die Klangqualität kauziger Trockenheit zu erreichen, selbstironisch analytische Gelehrsamkeit vorzuführen.Doch hierfür ist das von Janowski geprägte Klangprofil zu dick.Durch den wattierten Violinsound dringen die Holzbläser kaum jemals hindurch, auch das Cembalo ist nur bei seinem kurzen Extraauftritt im Finale akustisch wahrnehmbar. Kaum überzeugender gerät Bruckners siebte Sinfonie, auch wenn Janowskis pathosfreier Zugang zunächst für sich einnimmt.Doch auch hier sitzt die Interpretation zwischen allen Stühlen.Weder werden die sinfonischen Formteile durch großen Pathosatem verbunden noch gelingt Janowski eine behutsame Schichtung von Klangfarben.Jede sinfonische Steigung muß er von ganz unten erklimmen, weil der Energielevel zwischenzeitlich immer wieder absackt.An der rhetorischen Aufbereitung von Übergängen ist Janowski nicht interessiert, ohne daß das additive Nebeneinander der Motivkomplexe seine Spannung aus direkter Konfrontation bezöge.Bleibt allein eine unverkrampft liedhafte Gestaltung der Melodiebögen, die der Aufführung in der Philharmonie wenigstens punktuellen Glanz verleihen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben