Aus für die Teheran-Ausstellung : Nix oriente lux

Erst verschoben, jetzt abgesagt: Die geplante Berliner Ausstellung von Pollock, Warhol und Co. aus dem Teheraner Museum findet nicht statt.

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Stolzer Plan. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei der feierlichen Unterzeichnung der Absichtserklärung zur Ausstellung in Teheran am 17. Oktober 2015.
Stolzer Plan. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei der feierlichen Unterzeichnung der Absichtserklärung zur Ausstellung...Foto: dpa

Die Enttäuschung ist groß. „Die geplante Ausstellung ,Die Teheran Sammlung. Das Teheran Museum für Zeitgenössische Kunst in Berlin‘ in der Berliner Gemäldegalerie wird jetzt nicht wie geplant stattfinden können“, teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) am Dienstag etwas holprig mit. Präsident Hermann Parzinger äußert großes Bedauern darüber, dass man sich zu diesem Schritt entschlossen habe: „Er war notwendig geworden, weil der Iran bislang immer noch keine Ausfuhrgenehmigung für die Kunstwerke erteilt hat.“

Die Verantwortung für die Absage trägt demzufolge die iranische Führung; welches Gremium und welche Person genau, das bleibt vorerst offen. Für westliche Beobachter ist nicht immer einfach zu erkennen, wer im Iran das Sagen hat. Die Regierung besitzt bei Weitem nicht die Handlungsvollmacht, wie sie in demokratischen Rechtsstaaten üblich ist. Über der Regierung thront Präsident Hassan Rohani, im Hintergrund und ohne parlamentarische Kontrolle agieren – allerdings sehr weltliche – Geistliche.

Wie auch immer: Die seit Monaten als Sensation und Durchbruch in den deutsch-iranischen Kulturbeziehungen angekündigte Ausstellung von – gerade einmal 60 – Werken aus dem Bestand des Teheran Museum of Contemporary Art in Berlin kommt nicht zustande, derzeit nicht und nach diesem missglückten Anlauf gewiss auch nicht in absehbarer Zeit.

Die Verhandlungen ziehen sich seit 14 Monaten hin. Am Anfang stand ein Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Oktober 2015; damals wurde eine erste Absichtserklärung unterzeichnet. Damit wurde das im Stillen angeschobene Projekt öffentlich. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gab in ihrem Jahreskalender den Dezember 2016 als Eröffnungsmonat bekannt und war bemüht, das Teheraner Gastspiel als so normal wie möglich erscheinen zu lassen. Irritationen kamen auf, als der die Verhandlungen mit Berlin führende Teheraner Museumsdirektor bei einer Holocaust-Karikaturenausstellung Preise vergab und sich zu Äußerungen über die Schoah verstand, die deutscherseits schlicht nicht toleriert werden können.

Die Verhandlungsführung wurde Majid Mollanoroozi denn auch entzogen, doch wie sich jetzt zeigt, erlosch damit wohl auch das „Momentum“. Die Ausfuhrgenehmigung, im internationalen Leihverkehr nur eine Formsache, wurde zum Dreh- und Angelpunkt, nicht zuletzt wohl auch, da nicht bei allen Werken der wertvollen Sammlung der Klassischen Moderne mit Werken von Warhol und Pollock, aber auch Kandinsky und Gauguin die Eigentumsverhältnisse restlos geklärt sind. Da immer die entscheidende Unterschrift fehlte – der Staatspräsident höchstselbst müsse zum Füller greifen, hieß es schließlich –, war Zeit gewonnen für Teheraner Ränkespiele.

Cui bono, wem nützt es? Was nach Lesart deutscher Außenpolitik als Signal für Tauwetter in den Beziehungen zum Iran und im Iran selbst gelten sollte, geißelten oppositionelle Künstler hinter vorgehaltener Hand als Kotau vor den Machthabern. Konservative Hardliner im Iran wiederum sahen in der Ausleihe der im Auftrag von Schah-Gattin Farah Diba zusammengetragenen Sammlung eine Aufwertung des 1979 gestürzten Schah-Regimes. Die Beschlagnahmung einzelner Leihgaben wegen „unklarer Besitzverhältnisse“ dürfte wegen der international üblichen staatlichen Rückführungsgarantie ausgeschlossen sein: Kaum anzunehmen, dass das Auswärtige Amt hier dilettantisch verhandelt hat, mit kulturpolitischen Gratwanderungen hat man im Hause Steinmeier Erfahrung.

Just am gestrigen Dienstag legte der deutsche Kulturrat die neue Ausgabe seines Monatsmagazins „Politik & Kultur“ vor, die zwölf Seiten dem Thema „Kultur im Iran“ widmet. „Die Hoffnungen“, muss Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann einräumen, „die gerade von westlichen Ländern in Präsident Hassan Rohani gesetzt wurden, der als moderat gilt, haben sich bislang zu erheblichen Teilen nicht erfüllt.“ Die Kulturpolitik, heißt es in einem Beitrag aus iranischer Feder, werde vom „Hohen Rat der Kulturrevolution“ gelenkt, gemäß dem Hauptziel der „Verbreitung der Botschaft und des Wesens der islamischen Revolution in der iranischen Gesellschaft und der Welt“. Der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, der iranischstämmige Omid Nouripour, urteilt in dem Magazin, die Sammlung des Teheraner Museums sei „das vielleicht prägnanteste Symbol der letzten Jahre der Schah-Zeit – ein Ausdruck des unbedingten Willens der iranischen Elite, Teil der westlich geprägten kulturellen Moderne zu werden“.

Wenn dem so ist und die Teheraner Sammlung mit vorwiegend westlicher Kunst tatsächlich als das Symbol des Schah-Regimes gelten muss, ist das Zögern der iranischen Seite als Ausdruck innenpolitischer Kämpfe nur allzu verständlich. So oder so, Steinmeiers Amtszeit als Auswärtiger Kulturpolitiker endet mit einer Niederlage.

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