Kultur : Aus reichen Körben

Ein Rückblick auf die Londoner Altmeister-Auktionen

Matthias Thibaut

Mit Blumen und Früchten schmückten sich die Londoner Altmeisterauktionen wie lange nicht mehr. Vor allem zwei Arbeiten des Niederländers Jan van Huysum versüßten das Ergebnis der Sotheby’s Auktion. Van Huysums feine Blumensträuße und Fruchtkörbe kosteten schon zu seinen Lebzeiten im frühen 18. Jahrhundert so viel wie ein Bürgerhaus –nun bezahlte ein Telefonbieter für einen Blumenstrauß des Meisters 3,029 Millionen Pfund und gleich anschließend für ein auf 1 bis 1,5 Millionen Pfund taxiertes Früchtestück 4,93 Millionen Pfund.

Sotheby’s Auktion brachte mit 17 Millionen Pfund fast ein Drittel mehr als die Schätzung: Stillleben Jan Brueghels erzielten Toppreise, zwei Florenzveduten des Canaletto Nachahmers Giuseppe Zocchi fanden viele Bewunderer – der Londoner Händler Konrad Bernheimer bezahlte für den Blick auf die Piazza della Signoria 1,29 Millionen Pfund. Blumen waren auch bei Bonhams teuer, wo für ein kleines Gemälde von Abraham Mignon 1,6 Millionen Pfund gezahlt wurden – die doppelte Schätzung. Christie’s Auktion zeigte schließlich, dass trotz der knappen Ware die Qualitätskriterien streng sind. An der hohen Taxe scheiterte eine Vedute von Canaletto, die drei bis fünf Millionen Pfund bringen sollte. Doch Canaletto scheint seinen Malerkollegen im Preis zu weit vorausgeeilt zu sein. Es waren Werke von Carlevarijs und Antonio Joli, die über Taxe bewertet wurden – eine Szene vor der Rialtobrücke kostete 1,125 Millionen Pfund und Jolis Panorama der Madrider Calle de Alcalá aus erhöhter Perspektive wurde auf 1,01 Millionen Pfund gesteigert. Auch hier wurde ein Blumenmotiv teuerstes Bild: Die Heilige Familie unter einer Blumengirlande – Spezialität des „Blumenbrueghels“ erzielte 1,23 Millionen. Insgesamt wechselten in London zehn Altmeister für über eine Million Euro den Besitzer.

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