Kultur : Aus Schwarz-Rot-Gold wird Schwarz-Rot-Gelb

PETER HERBSTREUTH

Kunst für die Berliner Bundesbauten - Nicht nur Heisig, auch Christo wird dabei seinVON PETER HERBSTREUTHDie Initiative des Kurators Christoph Tannert, Ankäufe von Werken des Malers Bernhard Heisig für den Reichstag zugunsten jüngerer Künstler aus der ehemaligen DDR zu verhindern (wir berichteten), führte auf der Sitzung des Kunstbeirats in Bonn zur einstimmigen Bestätigung des Auftrags an Heisig.Tannerts Favoriten würden nun, so ein Mitglied der Expertenkommission, eher mit Vorsicht bedacht.Die Entscheidung für Heisig ergab sich aus der Vorüberlegung, daß nicht nur sinnstiftende Konzepte für die Zukunft entworfen, sondern auch Künstler berücksichtig werden sollen, so der SPD-Abgeordnete im Kunstbeirat Thomas Krüger, die "wirkungsgeschichtliche Bedeutung" hatten.Dies war bei Heisig im Rahmen seiner hochschulpolitischen und künstlerischen Tätigkeit in der DDR der Fall.Definitiv vorgesehen für den Reichstag sind, neben einer auf die Love-Parade anspielenden Arbeit von Sigmar Polke, Gerhard Richter mit monumental abstrahierender Malerei in den changierenden Farben Schwarz-Rot-Gelb und Jenny Holzer mit einem fünfzehn Meter hohen digitalen Textband, das aus Bundesstagsreden zitiert.Günther Uecker wird den Andachtsraum gestalten, Markus Lüpertz das Bistro.Georg Baselitz fertigt Porträts.Bereits zum Ankauf entschieden sind Arbeiten von Carlfriedrich Claus, Emil Schumacher und nun auch eine Arbeit von Christo, die lange strittig war.Christian Boltanski, Hanne Darboven, Ilya Kabakov, Anselm Kiefer, Wolfgang Mattheuer, Ulrich Rückriem, Rosemarie Trockel wurden teilweise erneut um Entwürfe gebeten.Für das Paul-Löbe-Haus (Ex-Alsenblock) hat sich das Kuratorium nun statt der situationsbezogenen Lichtarbeit einer jungen Berliner Künstlerin für hängende Seile in verschiedenen Farben von François Morellet entschieden, die die strenge Raumordnung des Architekten Stefan Braunfels auflösen, sowie für ein in den Boden eingelassenes Textband von Joseph Kosuth mit Zitaten von Ricarda Huch und Thomas Mann, in dessen Nähe sich eine starkfarbige Wandarbeit von Ellsworth Kelly befinden wird.Eine vor zwei Jahren in Berlin entstandene Foto-und Textdokumentation von Sophie Calle über verschwundene Denkmäler, die durch die DDR-Regierung veranlaßt worden waren, wird die Bibliothek in Verbindung mit einer Neonschrift von Maurizio Nannucci schmücken.Für die Sitzungssäle des Gebäudes stehen Entwürfe von Angela Bulloch, Jorge Pardo und Neo Rauch zur Diskussion.Hans Haacke und Ayse Erkmen lehnten die Einladung zur Beteiligung ab.Die Entwürfe für das Paul-Löbe-Haus werden vom 5.Juni an im Bundestagsgebäude Unter den Linden vorgestellt.

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