Kultur : Aus Zwei mach Eins mach Zwei

Berlins Filmboard wird ein Medienboard – mit oder ohne Intendant Klaus Keil

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Geht er nun oder nicht? Klaus Keil, seit neun Jahren Intendant des Filmboards BerlinBrandenburg, wird seinen Posten möglicherweise verlassen. Dies berichtet nicht nur „Die Welt“; auch die gestrige Bekanntgabe des Erich Pommer Instituts in Potsdam, dass Keil ab 1. April 2004 dort Co-Direktor wird, legt diese Vermutung nahe. Keil selbst wird sich erst nach der heutigen Aufsichtsratssitzung des Filmboards über seine berufliche Zukunft äußern. Denn auf der Tagesordnung des Aufsichtsrats steht die Erweiterung des Gesellschaftervertrags. Sie ist notwendig für die vorgesehene Umwandlung des Filmboards in ein „Medienboard“, die auch personelle Folgen haben wird.

Das neue Modell war Ende August von Berlins Regierendem Bürgermeister und dem Brandenburger Ministerpräsidenten vorgestellt worden. Es vereint den klassischen Förderbereich mit dem Struktur- oder Marketingbereich, der die Aufgaben des bisherigen Medienbeauftragten Bernd Schiphorst übernimmt: Werbung für den Medienstandort. Für diese Position ist offenbar Petra Müller als zweite Geschäftsführerin im Gespräch. Sie leitete seit 2002 das Fernseh- und Filmfest Cologne Conference.

Fürchtet Keil, dessen Vertrag bis Ende 2004 läuft, nun seine Entmachtung? Die beiden Bereiche, heißt es dazu aus Berlins Senatskanzlei, bleiben weitgehend unabhängig. Wie bisher entscheidet allein der Intendant über die Förderanträge. Synergieeffekte sind dennoch erwünscht, etwa bei gemeinsamen Veranstaltungen wie der internationalen Medienkonferenz.

Von einer Aushöhlung des IntendantenPrinzips kann also zumindest vorerst nicht die Rede sein: In der bundesdeutschen Filmförderlandschaft ist es nach wie vor eine Besonderheit. Anderswo entscheiden – oft naturgemäß schwerfällige – Gremien. Was Flexibilität, Befugnisse und Verantwortlichkeit des Intendanten betrifft, hat sich die Idee seit 1994 jedenfalls bewährt. Und Keil wurde nicht müde, für sie zu werben.

Eine weniger glückliche Hand bewies er in der Gemengelage zwischen Berlin und Brandenburg: Obwohl immer mehr Filmschaffende Berlin allen anderen Medienstandorten vorziehen und das hiesige „kreative Potenzial“ seinesgleichen sucht, ist es dem Filmboard nie gelungen, finanziell mit den mächtigen Förderinstitutionen von NRW und Bayern zu konkurrieren. Kurz: Hier sind tolle Filmemacher, hier finden sie ein ideales kulturelles Umfeld, bloß das Geld müssen sie sich meist woanders besorgen. Was nicht heißt, dass aus dem Fördertopf (2003: 15,5 Millionen Euro) trotz zwischenzeitlicher Haushaltssperren nicht auch Produktionen wie „Good Bye, Lenin!“, „Das Wunder von Bern“ oder „Rosenstraße“ mitfinanziert würden.

Wird der Aufsichtsrat heute auch über Personalien entscheiden, über die Berufung von Petra Müller und die weitere Zusammenarbeit mit Klaus Keil? „Kein Kommentar“, heißt es aus den zuständigen Behörden. Aber jeder weiß: Heute fallen die Würfel. chp

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