Ausgehen: Craft Beer Bar Hopfenreich : In Kreuzberg gibt's jetzt Indie-Bier

In Berlin-Kreuzberg gibt es jetzt auch eine Craft Beer Bar, in der früher so düsteren, jetzt enorm vitalen Wrangelstraße. Nicht alle finden das gut.

von
Für jede Jahreszeit: Es muss nicht immer Bayern sein. Auch in Kreuzberg gibt's ne Bierkneipe.
Für jede Jahreszeit: Es muss nicht immer Bayern sein. Auch in Kreuzberg gibt's ne Bierkneipe.Foto: dpa

Wer die Wrangelstraße von früher kennt, sagen wir späte achtziger, frühe neunziger Jahre, und sie als eine enorm düstere, irgendwie kaputte Straße in Erinnerung hat, müsste eigentlich begeistert sein: So viele Lichter und neue Läden, so viel los auf den Bürgersteigen, fast wie auf der benachbarten Schlesischen Straße! So viel Nachtleben, so viel Schmuddel-Glam, so wenig Schultheiss-Kneipen! Kein Wunder also, dass es hier jetzt auch eine sogenannte Craft Beer Bar gibt, das Hopfenreich, einen Laden, in dem unterschiedlichste Biere mit unterschiedlichsten Geschmäckern von unterschiedlichsten Klein- und gewissermaßen Indie-Brauern ausgeschenkt werden, zum Beispiel das Heidenpeters Pale Ale Frambois, das Schönramer Hell oder eins mit Chili-Würze.

Die Biere sind lecker, deshalb lohnt es sich tatsächlich, zu kommen, auch die Bedienungen haben ihre Texte zu den Sorten gelernt. Die Frage ist allerdings, ob das Hopfenreich Stammkneipenpotenzial hat. Warum man also sonst noch hierherkommen sollte, an einem x-beliebigen Freitagabend beispielsweise. Es sind nämlich vor allem Touristen, die hier die Biere durchkosten; Kreuzberger Szenetouristen, die man genau so auch in den Bars des Brooklyner Szeneviertels Williamsburg treffen könnte: ungestylt, jung, halbjung, vollbärtig, Indierockfrauen- und -männer mit Kapuzenpullovern. Aus den Boxen schallt dann auch Musik von Nirvana, Prong oder My Morning Jacket, alles wirkt recht kahl und die Wandgemälde scheinen noch aus dem Gino zu sein, dem badisch-elsässischen Restaurant, das hier vorher drin war. Gesprochen wird, na klar, mehr englisch und spanisch als deutsch. Das Kreuzberg von heute eben, das womöglich vitaler, flirrender ist als das von ehedem, in jedem Fall touristischer – und mit dem so mancher alteingesessene Kreuzberger seine Probleme hat.

"Für die ganzen Touristen hier habe ich nicht gekämpft"

So wie der Mann mit den lichten grauen Haaren und einem grauen Schnauzbart, der an diesem Freitagabend draußen vor dem Hopfenreich steht und eins der Biere von drinnen vor sich stehen hat. „Das sollte hier alles noch viel schlimmer werden!“, schimpft er, „dann werden die alle schon sehen, was sie davon haben!“ Dass es im Hopfenreich doch so schlimm auch nicht sei und man aus Kreuzberg kein Alt-Alternativen-Reservat machen sollte, mit Zaun drumrum, will er nicht gelten lassen: „Das ganze Touristenpack, dafür habe ich nicht gekämpft!“ Vermutlich hat er auch nicht für das Gino gekämpft, sondern höchstens für den Wilden Hecker, den Vorvorgängerladen des Hopfenreichs, wo es nur Schultheiß gab. Und auch der Hinweis auf die kleinen Brauereien, die hier nun bekannter würden, beruhigt ihn nicht.

Der Mann erzählt dann noch, dass er wegen seiner Tochter da sei, die würde im Hopfenreich nämlich kellnern, er mache sich Sorgen um sie: „Sie hat was Besseres verdient, als hier zu arbeiten, sie hat studiert und ist eigentlich Konfliktforscherin!“ Was aber soll man machen? Nein, glücklich scheint dieser Mann wirklich nicht mehr in Kreuzberg zu sein, und als er reingeht, um sich ein weiteres Craft Beer zu holen, schimpft er weiter: „Das soll hier alles noch viel schlimmer werden, dann werden die alle schon sehen, was sie davon haben!

8 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben