AUSGEHEN : Das andere Ende der Partymeile

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Derzeit ist es ziemlich schwierig, abends einen freien Platz vor einer der Bars in der Neuköllner Weserstraße zu bekommen. Dicht an dicht hocken die jungen Gäste vor allem zwischen Reuterplatz und Pannierstraße. Auch die Spätis machen hier mittels flugs aufgestellter Tische und Bänke gern mal auf Lokal. Ein internationales Sprachengesummse flirrt durch die warme Luft. Fahrradfahrer klingeln sich den Daumen wund, während sie im Slalom durch die feierfreudige Menge kurven. Die Gegend erinnert immer stärker an die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain, wobei sich die Partyzone Querstraße für Querstraße nach Osten vorschiebt.

Vorausschauenderweise hat ganz weit unten – nämlich an der Ecke Weser- und Roseggerstraße vor eineinhalb Jahren das Poropati aufgemacht. Rund ein halber Kilometer trennt die freundliche Café-Bar vom trubeligen Teil der Straße. Probleme, einen Sitzplatz zu bekommen, hat man in dem Laden mit den großen Fensterscheiben bisher nur bei wichtigen Fußballspielen (sie werden auf einer Großbildleinwand übertragen) oder wenn Angehörige der ex-jugoslawischen Diaspora eine Party feiern. Einer der beiden Betreiber gehört selbst zu dieser bunt gemischten Gruppe, die er gern zu sich einlädt. Auch der Name der Bar kommt vom Balkan: Poropati ist ein kleiner Ort in Istrien, in dem der Besitzer früher gewohnt hat.

Gelegenheiten wie Titos Geburtstag oder der EU-Beitritt Kroatiens werden im Poropati gern zum Anlass nicht ganz ernst gemeinter Festivitäten genommen, bei denen neben bayrischem und tschechischem Bier auch die beiden hervorragenden Rakija-Sorten stark nachgefragt werden. Wenn man Glück hat, legt ein DJ alte jugoslawische Rock- und Popsongs auf. Ansonsten tut es auch ein Vierfach-Live-Album der legendären Zagreber Band Azra, das auf einem klapprigen Plattenspieler komplett durchgespielt wird. Und egal ob Bosnier, Serbin oder Kroate – alle kennen den Text und alle feiern gemeinsam.

Gelegentlich finden im vorderen Raum auch kleine Konzerte oder Lesungen statt. Im Hinterzimmer gibt es zudem eine Dart-Gerät und einen Kicker, die kostenlos benutzt werden können. Eine familiär-nachbarschaftliche Atmosphäre prägt das Poropati. Wenn einer der Gäste einen Ausstellungsort für seine Gemälde sucht, wird nach einem freien Plätzchen an den Wänden gesucht. Und wenn jemand eine Geburtstagsparty oder eine Kinderdisko veranstalten will, kann er die beiden Bar-Betreiber, die jeden Abend selbst hinter dem Tresen stehen, nach einem freien Termin fragen. So entspannt geht es am oberen Ende der Weserstraße schon lange nicht mehr zu.

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