AUSGEHEN : Im rosa Flokati-Himmel

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Zielstrebig läuft die blonde Touristin auf die verschlossene Tür am Ende der Bar zu und rüttelt an der Klinke herum. Freundliche Hinweise aus dem Publikum, dass sich die Toilette ein Stück weiter vorn befindet, quittiert die Dame mit einem lachenden: „Ja, ältere Leute brauchen schon mal Hilfe.“ Bevor sie geht, will sie aber unbedingt noch wissen, was sich hinter der Tür befindet. Ein Lagerraum für Bierkästen und Flaschen. Ach so – ein bisschen enttäuscht wendet sich die Dame ab. Ob sie wohl auf einen Dark Room oder Pole Dancer gehofft hatte?

Das Roses in der Oranienstraße zieht immer noch jeden Abend viele Neugierige an. Man erkennt sie sofort an ihrem staunend umherschweifenden Blick und manchmal auch an ihrer Funktionskleidung. Hier ist also das verruchte queere Kreuzberg. Ah, rosa Flokati an den Wänden. Oh, überall blinkende Lichter. Uh, diese oberkitschige Dekoration! Wie im Film. Das Schöne an der kleinen, höhlenartigen Traditionsbar ist, dass sie auch relativ große Mengen von heterosexuellen Gelegenheitsbesuchern mühelos absorbieren kann, ohne ihren genuinen Homocharme zu verlieren. Was gar nicht so leicht ist: Man denke nur an die nicht weit entfernte Möbel Olfe, die ihren Erfolg beim Mainstream-Publikum mit einem großen „Homo Bar“-Plakat im Fenster sowie semi-öffentlichen Herrentoiletten einzudämmen versucht. Solche Aktionen sind im Roses nicht nötig, was wohl an der zwingenden Kombination aus überkandidelter Optik, freundlichem Gay-Personal und den stimmungsaufhellenden Dancemusic-Mixen liegt. Die Angehörigen der primären Zielgruppe machen sich zudem angemessen breit. So knutschen Männerpaare schon mal ausgiebig an der Thekenecke herum oder führen auf dem Sofa neben der Tür angeregte Fachgespräche über Analsex.

Wenn am Samstag der Transgeniale CSD durch die Oranienstraße zieht und anschließend im Kiez weiterfeiert, wird das Roses ohnehin ganz für seine regenbogenbunte Kundschaft da sein.

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