AUSGEHEN : Post von Gloria

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Gefühlt trennen sie ja Welten: die Gestalten der Nacht und das Licht, in das sie an dieser Stelle Woche für Woche gezerrt werden. Das verführt zur Respektlosigkeit, dazu, die liebgewonnenen Tresenbekanntschaften zu Abziehbildern des Milieus zu machen. Da schreibt man mal, drei Wochen ist das nun her, locker-flockig davon, wie in einer Pinte an der Eisenacher Straße eine gewisse Gloria, eine „wuchtige Matrone“ mit „gewaltigem Busen“, mit Klimpergeld aus ihrem BH eifrig Persiko-Runden spendiert. Dabei denkt man an alles, nur nicht daran, dass nämliche Gloria das ja auch lesen könnte.

Nun, Gloria hat’s gelesen, sie hat einen sehr lieben Leserbrief geschrieben, in dem sie, mit feinem Konjunktiv, anmerkt, dass sie ja nun „schwerstens beleidigt“ sein könnte ob der Matrone und dem gewaltigen Busen, es aber vorzöge, herzhaft zu lachen. Womit wir wieder – denn darum ging es in dem Text über Gloria, den Busen, den BH, den Persiko und alles andere – beim Lob der Berliner Kiezkneipe, ihres Personals und ihrer Rituale wären. Und bei einem Aspekt, der bisher noch zu kurz gekommen ist: ihre Weltgewandtheit, ihre souveräne Großmut und das gesunde und durch 1000 gute Sprüche gerechtfertigte Selbstbewusstsein ihrer Insassen. Das wird gern unterschlagen, wenn mal wieder irgendwo der typische Mix aus schrulligen Alten und nörgelnden Hartzern unterm SchultheissSchild beschrieben wird.

Dass es eine Kolumne von der dritten Seite eines Kulturteils unversehens dorthin schafft, ist das eine. Dass ihre trunkenen Beobachtungen sofort volley returniert werden, das andere. Dass sich eine echte Gloria dabei nicht im Mindesten aus der Fassung bringen lässt, sondern ihrerseits eine Kolumne anbietet (Titel: „Mäusis Meinung“, Themen: „Kinderarmut, den Umgang mit unserer Polizei und ein Bild schief aufhängen“), ein Drittes. Über die Kolumne wird noch zu reden sein, irgendwann beim Persiko. Der wird übrigens – allein hier irrt Gloria in ihrem Schreiben, in dem sie eine vermeintlich falsche Schreibweise anmerkt – tatsächlich mit „k“ und nicht mit „c“ geschrieben. Aber das ist dort, wo ein grauer Tag dank eines Briefes plötzlich wieder die Farben einer schillernden Nacht trägt, nur eine Fußnote. Über die könnte man reden, wenn es nicht so viel zu lachen gäbe. Und zwar herzhaft.

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