Kultur : Ausgekocht

Lange Zeit galt Münchens Haus der Kunst als Vorzeigemodell für Museumsmanagement: ein passionierter Direktor mit sicherem Gespür für sein Publikum, neben dem Staat ein Mäzen, der jedes Jahr einen Extra-Zuschuss von einer Million Mark spendierte, ein Freundeskreis, der nicht nur die Vernissagen als Society-Events genoss, sondern für besondere Vorhaben tief in die Tasche griff. Dazu ein offenes Haus bis spät in die Nacht, lange Museumsabende mit Musik und Tanz, und wenn man Glück hatte, kochte der Hausherr persönlich für seine Gäste.

Seit einigen Wochen sieht das anders aus: Kurz vor Weihnachten kündigte Bayerns Kunstminister Hans Zehetmair an, Christoph Vitalis Vertrag nicht zu verlängern. Nachdem der Schweizer Ausstellungsmacher für 2003 enttäuscht seinen Rückzug erklärte, legte Zehetmair in einem Interview nach: Vitali sei nicht mehr die optimale Lösung, die Arbeitsverhältnisse im Haus nicht die besten, obwohl - gnädiges Zugeständnis - Vitali vielleicht seine Vitalität, nicht aber sein Wissen verloren habe.

Kann sein, dass der heute 61-jährige in den letzten Jahren etwas von jenem Elan eingebüßt hat, mit dem er vor acht Jahren in München gestartet war: krankheitsbedingt, aber auch, weil die Finanzdecke von gleichbleibend 12 Millionen Mark in Zeiten steigender Versicherungs- und Personalkosten immer knapper wurde. Kann auch sein, dass das Publikum nicht mehr ganz so zahlreich ins Haus strömt wie in den goldenen Jahren, als mit der Barnes Collection, der Sammlung Farnese oder der Themenausstellung "Die Nacht" ein Publikumsmagnet den nächsten jagte. Ein Defizit von 1,2 Millionen Mark für das Jahr 2000 hat Vitali den Vorwurf des Missmanagements eingebracht und die Gesellschafter verärgert - so sehr, dass sie offenbar auf seine Ablösung drängen.

Hinzu kommt: Die Konkurrenz in München ist schärfer geworden. Die wiedereröffnete Hypo-Kunststiftung zieht mit Rennern wie der "Neuen Sachlichkeit" und gerade jetzt mit Claude Monet das Publikum zu Hunderttausenden an - und weg vom Haus der Kunst. Im kommenden September eröffnet auch die "Pinakothek der Moderne", für die man Bernhard Schwenk als Kurator gewann - ehemals Ausstellungsmacher am Haus der Kunst. Nach den Pleiten der Bauplanung steht Zehetmair hier inhaltlich unter Erfolgsdruck - und mag die Konkurrenz in der Stadt vielleicht gerne gehen sehen.

Ganz abgesehen von dem ruppigen Stil: Anderswo müsste man sich die Finger lecken nach einem Mann, der zuvor schon in Frankfurt / Main wegen seiner glücklichen Hand erfolgreich war. Berlins Martin-Gropius-Bau zum Beispiel, unlängst in die Finanzierung des Bundes übernommen, braucht dringend einen inspirierten Intendanten - oder zumindest Berater.

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