Kultur : Ausladend

Salzburger Festspiele: Eklat um Jean Ziegler

Jean Ziegler findet’s schade: „Die Geldsäcke hätten eine halbe Stunde lang zuhören müssen, die hätten nicht weglaufen können.“ Ausgerechnet im Großen Salzburger Festspielhaus wollte Ziegler über die Folgen der Globalisierung sprechen; darüber, dass alle drei Sekunden ein Kind verhungere und dass jedes dieser Kinder im Grunde ermordet werde. Und er hätte darauf hingewiesen, dass die Schuldigen auch in den Logen säßen: die „Herren der Welt“, wie er sie nennt, mitverantwortlich für die kriminelle Ungleichverteilung des Reichtums auf der Welt. Für seine Anklage hat man Jean Ziegler nun die Bühne geraubt.

Der streitbare Genfer Soziologe und Vize-Präsident des beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats sollte die Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele am 26. Juli halten. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller von der SPÖ hatte ihn eingeladen – und lud ihn nun wieder aus. Als Grund führt sie einen Menschenrechtspreis an, den Ziegler von Muammar Gaddafi erhalten haben soll. Tatsächlich lehnte Ziegler den Preis ab und nennt die Vorwürfe aus Salzburg im Gespräch mit dem Tagesspiegel „verleumderisch“. Hinter der Ausladung vermutet er die Hauptsponsoren der teuren Festspiele, etwa den Nestlé-Konzern oder die Bank Credit Suisse. Beide greift Ziegler immer wieder scharf an. Die Festspiele selbst dementieren den Einfluss der Geldgeber.

Die Schriftsteller Elfriede Jelinek, Peter Turrini und Michael Scharang bezeichneten den Umgang der Salzburger Festspiele mit Ziegler als „Schmach“. lich

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