Kultur : Auslöschung

NAME

AUSSTELLUNG

Man kennt ihn als Erfinder der „Generation X“. Dass Douglas Coupland neben seiner schriftstellerischen und journalistischen Tätigkeit stets auch als bildender Künstler aktiv gewesen ist, verblasst vor dem enormen Erfolg, den sein Porträt einer antriebsschwachen, post-ideologischen Wohlstandsjugend hatte. Die jetzt in der 2yk-Galerie präsentierten Fotoarbeiten (Am Flutgraben 3, bis 5.9., 14 bis 18 Uhr) sind klassische Collagen, am Computer nachbearbeitet und verfremdet, die auf Anhieb an die Ikonographie und Farbenpracht der Pop Art und deren Hang erinnern, Kunstwerke wie Werbetafeln aussehen zu lassen. Was sie jedoch von deren Oberflächlichkeit unterscheidet, ist, dass Coupland mit „Beautiful Stains“ dieselbe analytische Betrachtungsweise an den Tag legt, wie in seinen Büchern und Essays („Amerikanische Polaroids“). So sind die meisten Arbeiten erst zu verstehen, wenn man die kurzen Texte liest, die der 41-jährige Kanadier dazu verfasst hat. Eine Serie zeigt verblassende, verschwommene Portraits von High School-Abgängern, für Coupland vergleichbar mit Ultraschallaufnahmen eines Embryos: „Die Person ist einfach noch nicht richtig ‚da’, ihre Persönlichkeit ist noch nicht richtig geprüft oder geformt von den Erfahrungen des Lebens.“ Im Zusammenhang mit der Fotoprint-Serie „Japan 1964“ wiederum versucht Coupland zu klären, warum die US-Amerikaner eine kollektive Scham für die Siebzigerjahre entwickelt haben, während die Japaner versuchen, die Fünfziger- und Sechzigerjahre ungeschehen zu machen. So zeigt er verkratzte und übermalte Portraitfotos aus dieser Zeit, stilisierte Versuche der Auslöschung. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Verlag Hoffmann & Campe entstanden, bei dem soeben Couplands neuer Roman „All Families Are Psychotic“ auf Deutsch erschienen ist. Christoph Koch

0 Kommentare

Neuester Kommentar