Kultur : Außenstelle Ost

Zuwachs für Berlins Kunstszene: Peres Projects, Vilma Gold und Buchmann

Ulrich Clewing

Wer am vergangenen Wochenende die Eröffnung der Berliner Dependance von Peres Projects aus Los Angeles miterlebte, der konnte dabei eine seltsame Erfahrung machen. Die Gäste kamen in Scharen und amüsierten sich blendend – doch selbst erfahrene Ausstellungsgänger begegneten auf dem Gewerbehof im hintersten Winkel von Kreuzberg nur wenig Bekannten. Die Szene war so international, dass die Einheimischen in der Menge schlicht untergingen.

Gut möglich, dass es einem in Zukunft noch öfter so geht. Denn die Berliner Galerienlandschaft steht vor fundamentalen Veränderungen. Und die erschöpfen sich nicht mehr in einem rein zahlenmäßigen Zuwachs an neuen Ausstellungsorten, obgleich sich auf dem Gebiet in den letzten zwei, drei Jahren erstaunlich viel getan hat. Es sind nicht mehr nur die Newcomer, die Galerien gründen, sondern auch jene, von denen man bisher dachte, sie hätten so etwas nicht mehr nötig, da sie bereits woanders etabliert seien – vom Kölner Aurel Scheibler, der einen temporären Ausstellungsraum während des Art Forums betrieb, bis zur Hamburger Galerie Doerrie*Priess, die eine Dependance eröffneten.

Berlins Ruf als Zentrum der zeitgenössischen Kunst hat eine enorme Eigendynamik entwickelt. Nie zuvor hatten so viele internationale Künstler ihr Atelier in der Stadt, und nie zuvor stand die Stadt auch sonst so unter kunstinteressierter Beobachtung von außen. So erschien es dem Galeriesten Javier Peres nur folgerichtig, neben seinem Stammsitz an der US-Westküste ein zweites Standbein in Berlin zu eröffnen. Hier leben nicht nur Künstler, die Peres vertritt, und Kuratoren, mit denen er zusammenarbeitet. Auch seine Kunden lassen sich ohne große Überredung nach Berlin locken, gerade die aus anderen europäischen Ländern, die sich die Reise nach Los Angeles gerne auch mal sparen. Zur Premiere präsentierte Peres eine Performance des gebürtigen Chinesen Terence Koh, der – makaber – seine eigene Totenmesse zelebrierte, dies allerdings – unmakaber – mit einem Grabstein aus zum Verzehr geeigneter Zuckermasse. In seinem zweiten, direkt an der Spree gelegenen Ausstellungsraum sind unter dem Titel „The Curious Lights“ Bilder des jungen Malers Chris Ballantyne aus San Francisco zu sehen: Gemälde zwischen Romantik und Pop-Art, in denen dunkle Wasser, die Tiefe und unendliche Weite des Meeres die Hauptrolle spielen und die man schon nicht mehr ganz günstig nennen kann (30000 Euro).

Peres ist in dem Gewerbehof an der Schlesischen Straße nicht allein. Zeitgleich mit ihm eröffnete auch die Londoner Galerie Vilma Gold einen „project space“, in dem sie eine faszinierende, aufwändige Installation des Briten Mark Titchner zeigt. Wobei sich Titchner den Vorwurf gefallen lassen muss, auf leicht verkopfte Weise zu zündeln. In dem an expressionistische Stummfilme erinnernden Ambiente laufen Videos, von denen zumindest eines unzweideutig die Tate Modern während eines imaginierten Großbrandes wiedergibt.

Das zunehmende internationale Interesse an Berlin war auch für den dritten Neuzugang das ausschlaggebende Argument. André Buchmann ist im Gegensatz zu Peres und Gold seit längerem ein Schwergewicht der Branche. Zehn Jahre führte der gebürtige Basler seine Galerie in Köln, nun ist er auch nach Kreuzberg gezogen – freilich ans gegenüberliegende Ende. In der Charlottenstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zur Galerie Ascan Crone Osarek und der Galerienmeile in der Zimmerstraße verfügt Buchmann über 300 Quadratmeter feinster Ausstellungsräume, die er für den Einstieg mit einer großen Arbeit von Daniel Buren füllte. Teils reflektierende, teils mit den charakteristischen Streifen versehene Quadrate verwandeln die Galerie in ein Spiegelkabinett, in dem sich Eindrücke und Gedanken irrlichternd Platz verschaffen (75000/85000 Euro). Buchmann erhofft sich vom Ortswechsel, seine Künstler, darunter Wolfgang Laib, Tony Cragg, Bettina Pousttchi und Fiona Rae, besser als bisher repräsentieren zu können. „Die internationale Rezeption“, sagt Buchmann, „ist groß.“ Vor allem dort, wo man nicht an Deutschland denkt, wenn man Berlin sagt, sondern an Europa.

Peres Projects, Vilma Gold Project Space, beide Schlesische Straße 26, Dienstag bis Sonnabend 11–18 Uhr.

Buchmann Galerie Berlin, Charlottenstraße 13, Dienstag bis Sonnabend 11–18 Uhr.

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