Kultur : Außerirdisch: Blumenbergs TV-Satire „Planet der Kannibalen“

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Eine Mediensatire in grellem SchwarzWeiß: „Planet der Kannibalen“ ist ein bitterböses Stück Kino über das Fernsehen. „Gold oder Grab“ heißt die ultimative GlücksShow (mit echten Toten), gegen die sich heutige Raterunden wie seichte Kinderspiele ausnehmen. Und gegen den „Oktoberkrieg“ der letzten Fernsehsender Alphaplus und Eurolux samt finaler Quotenschlacht (mit echten Toten – und Aliens) ist all das, was wir von den heutigen Medienmogulen kennen, ein eher harmloses Präludium.

Wir schreiben das Jahr 2020: Hans Christoph Blumenberg hat einen Science Fiction im Design der späten Vierziger gedreht, mit vielleicht ein klein wenig zu doller Schwarzmalerei – von wegen totalitärem Staat samt Gleichschaltung aller Wellen und ultimativem Rauchverbot. Aber die Heldin Emma Trost (Minh-Khai Phan-Thi) trotzt all dem mit der Eleganz einer unerschrockenen Ninja-Kämpferin. Und Vadim Glowna als Menschenfresser im TV-Käfig, Barbara Auer als sexy Starmoderatorin, Nina Petri als Fernseh-Zicke, Peter Fitz als eiskalter Intendant im klassizistischen Tempel, Florian Lukas als Meinungsfreiheits-Guerrillero und der gute alte Horst Tomayer als Zukunfts-Anarchist – sie alle sorgen für gehörigen Unterhaltungswert. Schön, der Blumenberg-Familie bei ihrem jüngsten Leinwand-Coup zuzuschauen. Man achte auf die Initialen der Heldin: Wer weiß, auf welcher Seite der Kamera sich die Außerirdischen am Ende tatsächlich befinden? (in Berlin in der Filmbühne am Steinplatz) chp

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