Ausstellung "Beckmann und Berlin" : Mythos und Metropole

Die Berlinische Galerie beleuchtet das schwierige Verhältnis des Malers Max Beckmann zu Berlin.

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"Selbstbildnis mit Sektglas" (1919). Als das Bild (Ausschnitt) entstand, lebte Beckmann in Frankfurt – und analysierte Berlin aus der Ferne.
"Selbstbildnis mit Sektglas" (1919). Als das Bild (Ausschnitt) entstand, lebte Beckmann in Frankfurt – und analysierte Berlin aus...Foto: Städel / VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Liebermanns Liebling – Max Beckmann war es für kurze Zeit. Dass sich die beiden Maler geschmacklich überhaupt verstanden, mag im ersten Moment überraschen: Max Liebermann, der späte Impressionist, kurzzeitige Aufbegehrer und schließliche Vorsteher einer konservativ preußischen Akademie. Und jener 1884 in Leipzig geborene Beckmann, der seinen expressiven Stil immer weiter kultiviert und mit der Prägnanz der Neuen Sachlichkeit verbindet, bis die Figuren auf der Leinwand irgendwann überpräsent sind.

So wie Quappi, Beckmanns zweite Ehefrau, die er 1936 mit einem Papagei auf dem Arm malt. Liebermann war da schon ein Jahr lang tot und Professor Beckmann von den Nationalsozialisten aus der Frankfurter Städelschule vertrieben. Die kurze Geschichte ihrer ästhetischen Liaison spielte um 1905, als Beckmann nach dem Studium sein erstes Atelier in Berlin bezog und mit den „Jungen Männern am Meer“ ein spektakuläres Großformat auf der Künstlerbund-Ausstellung in Weimar präsentierte. Eine Strandszene als Referenz an den Jugendstil wie den Impressionismus – und ganz nach Liebermanns Geschmack.

Es ist die erste große Beckmann-Schau seit 30 Jahren

Dafür gab es den Villa-Romana-Preis mit einem Aufenthalt in Florenz. 1907 folgte Beckmanns Aufnahme in die Berliner Secession, jener progressiven malerischen Bewegung, der Liebermann damals vorstand. Bis er sich wieder rückwärts orientierte und sich der Weg der beiden originären Maler trennte.

Die badenden Knaben hängen nun in der Berlinischen Galerie, zwischen Gemälden von Lovis Corinth, Edvard Munch und Ernst Ludwig Kirchner. Mit Beckmann, wie man ihn aus Museen überall in der Welt kennt, haben die akademisch gemalten Akte wenig zu tun. Dafür klären sie die Anfänge seiner Malerei, fragen nach der Beziehung von „Beckmann und Berlin“ und vollziehen nach, wie der Künstler sich einen singulären Stil erarbeitete. Eine Ausstellung, die sich die Berlinische Galerie zu ihrem 40. Geburtstag schenkt – und ebenso der Stadt, die erstmals nach drei Jahrzehnten wieder eine große Beckmann-Schau feiern kann.

Eine, die nicht bloß Bekanntes aneinanderreiht. Lieber erzählt sie anhand von 50 Werken aus dem eigenen Bestand und dazu zahlreichen Leihgaben vom Strandbild bis zu Quappis Porträt von 1936 Zeitgeschichte am individuellen Lebenslauf. Beide Bilder sind in Berlin entstanden, dazwischen spannt sich – mit langer Station in Frankfurt – die Karriere eines Künstlers, der stets gleichzeitig gefeiert und abgelehnt wurde. Für die „Jungen Männer am Meer“ etwa begeistern sich neben Liebermann auch Museumsdirektor Harry Graf Kessler und Galerist Paul Cassirer, der den Maler sogleich in seine Galerie im Bezirk Tiergarten aufnimmt.

Parallel dazu muss Beckmann allerdings feststellen, dass ihn die Expressionisten als Avantgarde überholen. Was er nicht versteht: Er lotet tief, verknüpft in seiner Kunst das Mythologische mit dem „wilden, grausamen, prachtvollen Leben“ der Metropole wie auf dem Katastrophenbild „Sintflut“ von 1908. Im Gegensatz dazu füllen die Brücke-Künstler seiner Ansicht nach flächige Kompositionen, reine Ansichten der Gegenwart, mit Farbe. An solchen Kontroversen, die Beckmann auch öffentlich austrug, wird die Bedeutung Berlins für seine Entwicklung klar.

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