Kultur : Ausstellung: China kommt

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Schröder kommt nicht da. Das war die eigentliche Hiobsbotschaft der "Berliner Begegnung" am Nachmittag vor der Eröffnung des Berliner Bücherfests im Innenhof der Nordischen Botschaften. Was als Vortrag des Bundeskanzlers zum Verhältnis von Literatur und Politik angekündigt war, ließ sich nicht einmal als Redemanuskript auftreiben. Vielleicht war die ebenso kurzfristige wie unbegründete Absage aber auch sein Glück, denn sonst hätte ihn der geballte Unmut der anwesenden Verleger über die Novellierung des Urhebervertragsrechts ungeschützt getroffen. Mehr noch: Er hätte in Gestalt der neuen Berliner Wirtschaftssenatorin Juliane Freifrau von Friesen sogar Widerworte aus der eigenen Partei zu hören bekommen - falls von Friesens Zweifel an der Gesetzesvorlage nicht nur ein fishing for compliments im geeigneten Umfeld war. Wenn man der von Dietrich Simon im Felleshus geleiteten Diskussion mit der Kultursenatorin Adrienne Goehler und dem Schriftsteller Peter Schneider über das Miteinander von Stadt und Verlagswesen glauben wollte, sind tarifähnliche Vereinbarungen für Autoren der Anfang vom Ende der gesamten Branche. Und tatsächlich gibt es Gründe, den jetzigen Entwurf als undifferenziert, ja teils als kontraproduktiv anzusehen. Gleich hinter den Problemen des Gesetzesorhabens rangiert für die Verlageaber eine unbewegliche Verwaltung, die, wie Bernd F. Lunkewitz vom Aufbau Verlag ausführte, unter Wirtschaftsförderung zuweilen die Verhinderung unternehmerischer Fantasie zu verstehen scheint. An die Adresse der Kultursenatorin erging der Wunsch, die dramatische Situation der Bibliotheken zu verbessern, die auch den Verlagen das Leben schwermacht. Allerorten fressen die Personalkosten allmählich die Sachmittel auf, und die Verwaltung des Mangels wird zu ersten Aufgabe der Angestellten. Welcher Bücherreichtum beim Verzicht auf Neuankäufe verlorengeht, davon kann man sich heute und morgen am Bebelplatz überzeugen - bei über 140 Ausstellern aus Berlin und Brandenburg.

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