Kultur : Ausstellung der nachgebauten Kollektion bei minimum im stilwerk

Rolf Brockschmidt

Die Pariser kamen im Herbst 1929 auf der großen Möbelausstellung aus dem Staunen nicht heraus! Ein Stuhl aus Stahlrohr und Kuhfell? Ein Stuhl, der in erster Linie signalisiert: Ich bin nur zum Sitzen da! Der LC1 von Charles-Edouard Jeanneret, genannt Le Corbusier, ist inzwischen längst ein Klassiker, dem man seine 70 Jahre nicht ansieht. Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand zeichneten für eine aufregende Möbelkollektion verantwortlich, deren erstes Ziel Funktion war! Die Klassiker von einst sind längst kostbare Design-Ikonen in den Museen geworden, doch die italienische Firma Cassina hat die Lizenz zum exklusiven Nachbau in ihrer Reihe "I maestri".

Bei minimum im stilwerk ist noch bis zum 30. Januar die gesamte Kollektion in einer Ausstellung zu sehen, die mit einigen Überraschungen aufwartet. So bietet der Ledersessel LC2 mit seinem hellblaugrauen Leder und dem taubenblau lackierten Gestell einen ganz ungewohnten Anblick, desgleichen die schön geschwungene Liege LC4, die hier statt mit Kuhfell und schwarzer Nackenrolle mit einem hellgelben Leder überrascht. "Das ist der Original-Geschmack der dreißiger Jahre", sagt Geschäftsführer Wilfried Lembert. Die hellen Töne waren zu der Zeit durchaus in Mode. Dass schwarz und Chrom so unsere Vorstellungswelt beherrsche, hänge damit zusammen, dass einerseits diese Kombination dem Kunden Farbsicherheit gebe und andererseits von den Kopisten am einfachsten zu realisieren sei. Die hellen Möbel seien nicht leicht zu verkaufen. Aber der schwarze LC2 mit seinen eingeklemmten Polstern, den man aus Film und Fernsehen kennt, der steht im Geschäft nebenan und wird auch sogleich als Klassiker erkannt. Neu ist hingegen die farbige Lackierung der Gestelle, das müsse man dem Wandel des Farbempfindens zugestehen. Diese Veränderungen müssen aber von der Fondation Le Corbusier geprüft und genehmigt werden.

Die Schrankelemente LC-Casiers Standard haben auch wieder die zeittypische Farbgebung von hellem Gelb, graublau und einem dunklen Mahagony-Ton. Dieses Modell mit seinen unendlich zu variierenden Modulen wurde schon 1925 im Pavillon Esprit Nouveau der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Erfolg dieser Möbel liegt in der Zeitlosigkeit ihrer Entwürfe, die sich auf die Funktion beschränken und diese auch sichtbar machen. "Alles lebt von der Restriktion", sagt Lembert, denn längst nicht jeder Stoff und jede Farbe darf für die Corbusier-Möbel verwendet werden. Auch darüber wacht die Stiftung. Aber so ist die Qualität gewährleistet und das Erbe Le Corbusiers gesichert.

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