Kultur : Ausstellung im Ethnologischen Museum

Michaela Nolte

Man kennt die kunstvoll geschnitzten Holzmasken des westafrikanischen Graslands. Die tiefschwarzen Tierwesen und zeichenhaft reduzierten Gestalten sind in ethnologischen Sammlungen zu bewundern, und ihre Repliken werden in Afrika-Shops als Wandschmuck feilgeboten. Das wahre Gesicht dieser Ahnen-, Medizin- oder Kultmasken und ihre sozialen Hintergründe und Bedeutungen waren bislang jedoch wenig erforscht. Das Ethnologische Museum in Berlin-Dahlem schließt diese Lücke nun mit der Publikation "World-View and Society in Oku" und einer Fotografie-Ausstellung.

Hans-Joachim Koloss hat den Nordwesten Kameruns über einen Zeitraum von 25 Jahren beobachtet. Der Leiter der Afrika-Abteilung des Museums erforschte das Königreich Oku, in dem das Maskenwesen auch heute noch ein Leitmotiv des Stammeslebens darstellt. "Im Anfang war das Buch", wandelte Peter-Klaus Schuster das Johannes-Evangelium kurzerhand ab. Zur Buchpräsentation und Vorbesichtigung der Ausstellung hob der Generaldirektor der Staatlichen Museen besonders die "ästhetischen Begleiterscheinungen" hervor: Mehr als 500, vorwiegend farbige Abbildungen, die den Anlass für die Ausstellung gaben, lassen den Forschungsgegenstand auch für Laien lebendig werden. Vierzig der schönsten Fotografien zeigen die Oku bei Maskenumzügen, Kulthandlungen und Totenzeremonien.

Als erster Wissenschaftler konnte Koloss auch die streng reglementierten Riten der Geheimbünde, der Kwifons, festhalten. Zudem vermittelt das Kompendium einen Einblick in das Geflecht von traditionellen Riten und Alltagsleben. Trotz ihrer Hierarchien weist die Ordnung der Familien-Clans demokratische Grundzüge und harmonische Prinzipien auf. Als Oberhaupt ist der König primus inter pares. Denn alle Entscheidungen gehen letztlich von den Geheimbünden aus. Das Maskenwesen dient hier nicht nur der Repräsentation von Macht und Herrschaft. In mannigfaltigen Zeremonien werden ebenso Streitigkeiten zwischen rivalisierenden Clans oder innerhalb der Familien ausgetragen. Friede und Harmonie gelten als Voraussetzung des Zusammenlebens.

Ebenso dokumentiert Koloss den Einzug der Zivilisation, und dass auch gemäßigte Veränderungen die Tradition in den Hintergrund drängen. Dass der Wissenschaftler die Anerkennung der Oku gewann, belegen sehr persönliche Interviews sowie seine Aufnahme in den Adelsstand: König Ngum III machte Koloss zum "Fürstlichen Bewacher der Kulturen von Oku".Ethnologisches Museum, Lansstr. 8, bis 22. Oktober. - "World-View and Society in Oku (Cameroon)", Reimer Verlag, Berlin, 178 Mark.

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