Kultur : Ausstellung: Im Königreich der Nutzbarkeit

Thomas Lackmann

Welch praktisches Möbel, das aufs ansehnlichste die schöne Form seiner vollendeten Rundungen mit der Eignung für den Alltagsgebrauch verbindet! Als die "Kommode", wie der Berliner Volksmund die Königliche Bibliothek an der preußischen Staatsoper bald nannte, im Jahr 1784 der Öffentlichkeit übergeben wurde, erhielten die klugen Werke aus den Regalen Ihrer Majestät endlich eine angemessene Unterbringung. Was dient dem Wohle des Volkes mehr als ein wunderbarer Wissenspeicher? Die Kommode steht immer noch (am heutigen Bebelplatz), schräg gegenüber aber zeigt nun die Staatsbibliothek Unter den Linden in einer kleinen Vestibül-Ausstellung, wie der preußische Wissenschaftsbetrieb des 18. Jahrhunderts aufbrach zu den Ufern einer neuzeitlichen Bodenständigkeit.

Unter einem blauweißen Himmelswolkenband hat die Kuratorin Regina Mahlke 206 Objekte der konkreten Realitätsbezwingung versammelt: aus jener Fortschritts-Epoche, als die naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen sich aus der geisteswissenschaftlichen Bevormundung kühn zu emanzipieren begannen.

Ein kleiner Himmelsglobus von 1730. Ein putziger ausgestopfter, aber eigentlich lebendig so nützlicher Biber und ein kurioser Kofferfisch. Zehlendorfer Straßenpflaster von 1794. Vitrinen voller Bücher, Karten, Skizzen, Dokumente. Astronomie, Bergbau, Landwirtschaft, Biologie, Forstwesen, Medizin, Pharmazie: "Der reale Nutz", so die Überschrift der Unternehmung, handelt auch von der Ideologie einer konsequenten Verwertbarkeit der Welt. Der kritische, aktuelle Aspekt des Themas, das in der biotechnischen Debatte zur Sprache kommt, wird von dieser historischen Ausstellung leider nicht reflektiert. Wer benutzt die Welt? Für wen funktioniert die Stadt?

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