Ausstellung : Im Krieg

Die Galerie Tammen in Berlin zeigt Kriegs-Fotografien von Jewgeni Chaldej. Nur eines seiner Bilder wurde weltberühmt, er selber starb in bescheidenen Moskauer Verhältnissen.

Bernhard Schulz
Elch im Krieg
Kriegsteilnehmer. Das Rentier Jascha aus dem russischen Norden. -Foto: Tammen Galerie

Das Foto von der „Flaggenhissung auf dem Reichstagsgebäude am 2. Mai 1945“ ist weltberühmt. Den Fotografen selbst hat es nicht so berühmt gemacht: Erst die umfassende Retrospektive, die ihm derzeit der Martin-Gropius-Bau widmet, ist geeignet, seinen Namen im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Parallel zu dieser großen gibt es eine kleinere Ausstellung bei Werner Tammen, der gut 50 Fotografien des im Jahr der Oktoberrevolution 1917 geborenen und 1997 in bescheidenen Moskauer Verhältnissen gestorbenen Jewgeni Chaldej anbietet – zu Preisen ab 1000 bis 3500 Euro, die mit Blick auf den Fotomarkt nur als äußerst moderat zu bezeichnen sind. Immerhin handelt es sich entweder um vintage prints oder zumindest um later prints aus der Hand des Fotografen. Die Abzüge sind nahezu durchweg signiert und ohne Hinweise auf Auflage, die jedoch, versichert der Galerist, kaum je über zehn gelegen haben dürfte. Schließlich hatte Chaldej zu Sowjetzeiten keinen Markt; er musste sich damit begnügen, den Schatz von 10.000 Negativen in seiner Einzimmerwohnung zu hüten.

Tammen zeigt fast nur Kriegsfotos; die späteren Arbeiten, die Chaldej als Zeitungsfotograf erstellte, blieben unberücksichtigt. Sie haben auch, als idyllische Darstellungen des glücklichen Sowjetlebens, fotokünstlerisch eher begrenzten Wert. Ganz anders die Kriegsaufnahmen, die Chaldej in einer Reihe mit Größen wie Robert Capa zeigen, der in ihm denn auch einen gleichrangigen Kollegen sah und nach dem gegenseitigen Kennenlernen am Ende des Kriegs eine Mittelformatkamera schenkte, die Chaldej fortan neben der vertrauten Leica benutzte. Spitzenstück bei Tammen ist eine Mappe mit acht herausragenden Aufnahmen. Von der 25er-Auflage ging ein Exemplar bereits ans New Yorker MoMA, doch bei einem Preis von 8000 Euro sollte der noch vorrätige Bestand alsbald seine Liebhaber finden.
Tammen Galerie, Fridrichstr. 210; bis 21. Juli, Dienstag bis Samstag 12-18 Uhr.

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